Künstlich ernährten Patienten droht offenbar schlechtere Versorgung

Wenig selbstlose Kritik

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI), der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und der Diätverband kritisierten am Montag in Berlin die geplante Einschränkung der künstlichen Ernährung von zumeist pflegebedürftigen Patienten. Hintergrund ist der Entwurf für eine neue Arzneimittelrichtlinie, die der Gemeinsame Bundesausschuss vorgelegt hat. Darin hat das Selbstverwaltungsgremium aufgeführt, wann Patienten zu Lasten der Krankenkasse mit Trink- oder Sondennahrung künstlich versorgt werden dürfen. Die Herstellerverbände bemängelten, dass nach der geplanten Richtlinie eine künstliche Ernährung generell nur noch bei vier Krankheiten erlaubt sei. "Bei weiteren 23 Erkrankungen wird die künstliche Ernährung entweder ganz gestrichen oder an eine Fülle von Voraussetzungen geknüpft", sagte BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss betonte, dass die Richtlinie "von Ärzten für Ärzte" gemacht worden sei. Mit der detaillierten Vorgabe solle auch verhindert werden, dass Menschen missbräuchlich oder aus Bequemlichkeit an künstliche Ernährung angeschlossen werden. Große Patientenorganisationen halten den Entwurf für praktikabel.

Derzeit werden in Deutschland rund 100.000 Menschen künstlich ernährt. Der Entwurf für die neue Richtlinie soll in wenigen Tagen beim Bundesgesundheitsministerium eingehen. Gibt es dort keine Beanstandungen, tritt die Regelung in Kraft.