Umweltschützer fordern von RWE Abschied von der Braunkohle

Energie und Klimaschutz

Anlässlich der diesjährigen Hauptversammlung der Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) forderten Vertreter von Greenpeace und der Umweltstiftung WWF die Aktionäre auf, Druck auf die Unternehmensführung auszuüben, um die Investitionspolitik des Energieversorgers Klima verträglicher zu gestalten. "Das Unternehmen steht am Scheideweg", betont Regine Günther, Leiterin des Referats Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Entscheiden sich die Manager des Energiekonzerns bei den anstehenden Investitionen für Kohlekraftwerke, sei dies nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern mittelfristig eine Gefahr für die Dividende.

"Der Anteil an Erneuerbaren Energien im Strommix wird weiter wachsen. Dann braucht unser Energiesystem flexibel regulierbare Kraftwerke, die sich dem schwankenden Strom von Sonne und Wind anpassen können", erklärt Jonas Mey, Energie-Experte von Greenpeace, in einer Rede vor den Aktionären. "Braunkohle-Kraftwerke sind Dinosaurier der Vergangenheit. Sie sind schwerfällig regulierbar. In einem Energiesystem mit viel Erneuerbaren Energien können sie nicht wirtschaftlich betrieben werden."

Der WWF weist darauf hin, dass rund zwölf Prozent der bundesdeutschen Kohlendioxidausstoßes auf das Konto des Energiekonzerns gehen. Damit sei RWE der größte Einzelverursacher dieses Treibhausgases in Europa. Der WWF sieht das Unternehmen in einer besonderen Verantwortung, dem Klimawandel mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik entgegenzutreten. "Die hohe Abhängigkeit von der Kohle führt nicht nur zu einer hohen Umweltbelastung, sondern birgt zugleich große unternehmerische Risiken", warnt Regine Günther. Leider sei ein Umdenken bislang nicht erkennbar.

Die bisher angekündigten Kraftwerksprojekte in Nordrhein-Westfalen, setzen vornehmlich auf Braunkohle. Dies sei mit einer verantwortlichen Unternehmenspolitik und einer anspruchsvollen Klimapolitik unvereinbar. Allein das geplante Braunkohlekraftwerk Grevenbroich-Neurath mit einer Investitions- summe von 2,2 Milliarden Euro wird die Atmosphäre jährlich mit rund 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid belasten. Ein Gaskraftwerk mit gleicher Leistung würde dagegen nur 5,4 Millionen Tonnen CO2 emittieren. Wis-senschaftler fordern von den Industriestaaten eine 60-80 Prozent Treibhausgasreduktion bis 2050. Berücksichtigt man, dass das Kraftwerk zu diesem Zeitpunkt noch am Netz sein dürfte, Deutschland seine CO2-Emissionen aber insgesamt auf etwa 200 Millionen Tonnen gesenkt haben müsse, werde die Tragweite der aktuellen Investitionsentscheidungen deutlich.

Mit dem Emissionshandelssystem erhalte der Schadstoff Kohlendioxid einen Preis und finde Eingang in die Unternehmensbilanzen. Dadurch werden Unternehmen, deren Produktion stark auf Kohle oder Öl basiert mit hohen Zusatzkosten und sogar mit der Stilllegung bestehender Anlagen rechnen müssen. Klimafreundliche Energien und die Nutzung energieeffizienter Technologien können hingegen Chancen eröffnen. Ein Auslaufen der Kohle sei deshalb gut für die Umwelt und liege im Interesse der Aktionäre.