Staatsschauspiel will komplette "Weber-"Inszenierung erstreiten

Sozialkritisch

Das Staatsschauspiel Dresden will weiter für die völlige Freigabe der umstrittenen Inszenierung des Gerhart-Hauptmann-Stücks "Die Weber" kämpfen. Zwar habe der lizenzhabende Bühnenverlag Felix Bloch Erben seine einstweilige Verfügung zurückgezogen. Bei einer Gerichtsentscheidung im Sinne des Theaters gehe es jedoch auch um Schadensersatz in sechsstelliger Höhe, sagte Intendant Holk Freytag am Mittwoch in Dresden. Das Staatsschauspiel sehe sich inzwischen als "Gewinner auf der ganzen Linie". Durch die sich abzeichnende Entscheidung des Gerichts sei eine "Attacke auf das Regietheater" abgewehrt worden.

In der vergangenen Woche hatte das Kammergericht Berlin, wo derzeit das Berufungsverfahren gegen das vom Landgericht Berlin erteilte Aufführungsverbot läuft, dem Staatsschauspiel in einem Zwischenbescheid mitgeteilt, dass ein globales Verbot nicht haltbar sei. Unzulässig sind aus Sicht des Gerichts lediglich zwei kurze Passagen, die "Tötungsphantasien" beinhalteten und der Tendenz des Originals zuwiderlaufen. Nachdem das Theater beim Verlag dann eine Absichtserklärung abgegeben hatte, die beanstandeten Szenen auszulassen, hatte der Verlag seine einstweilige Verfügung zum Verbot der Aufführung zurückgezogen.

Freytag betonte, dass das Theater aber auch für die beanstandeten Textstellen kämpfen wolle, da im Originaltext Hauptmanns sehr wohl Tötungsabsichten zu finden seien. Die Rücknahme der einstweiligen Verfügung reiche nicht aus.