Mieterbund warnt vor Ausverkauf von Wohnungen an Finanzinvestoren

Weniger preiswerte Wohnungen

Der Deutsche Mieterbund fordert einen Stopp bei der Veräußerung von Wohnungen an ausländische Finanzinvestoren. Die "Ausverkaufspolitik" öffentlicher und auch privater Wohnungsunternehmen an Kapitalgesellschaften, die hohe Renditen anstrebten, führe mittelfristig zu einem Verlust an preiswerten Wohnungen, sagte Mieterbund-Präsidentin Anke Fuchs am Dienstag in Berlin. Gewachsene Wohnstrukturen und das Zusammenleben von unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen seien dadurch bedroht.

Zudem würden Einflussmöglichkeiten auf die kommunalen Wohnungsmärkte verschenkt. Bund, Länder und Kommunen haben nach Angaben des Mieterbundes in den vergangenen fünf Jahren mehr als 600.000 Wohnungen an unterschiedliche Investoren verkauft. Bekanntestes Beispiel ist die Essener Wohnungsbaugesellschaft GAGFAH, die vergangenes Jahr von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) an die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Fortress verkauft worden war. Den geplanten Börsengang der GAGFAH will der Mieterbund verhindern.

Städte seien nach wie vor der Wohnstandort Nummer Eins im Deutschland, sagte Fuchs. Hier seien "dauerhaft bezahlbare Wohnungen, attraktive Innenstadtbereiche und nachfragegerechte Wohnangebote" erforderlich. Bund, Länder und Kommunen müssten die Konsequenzen daraus ziehen, dass die Gesellschaft "immer kleiner, älter und bunter" werde. Einkommensschwächere Personen und Familien fänden in Großstädten kaum angemessene Wohnungen.

Derzeit gebe es nur noch rund 1,8 Millionen Sozialmietwohnungen in Deutschland. "Neue entstehen praktisch nicht mehr", kritisierte Fuchs. Die Mieterbund-Präsidentin forderte erneut die Abschaffung der Eigenheimzulage. Mindestens ein Drittel der eingesparten Subventionen müsse in die Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik fließen.