Sofortiger Ausstieg Deutschlands aus der Plutoniumwirtschaft gefordert

Uran-Wiederaufarbeitung

ROBIN WOOD hat am Donnerstag Bundesumweltminister Trittin aufgefordert, die Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland zu verbieten. Ab 1. Juli des Jahres wird lediglich der Transport abgebrannter Brennelemente ins Ausland untersagt. In den Plutoniumfabriken Sellafield und La Hague lagern aber noch etwa 900 Tonnen Atommüll aus Deutschland, so dass ein Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft noch längst nicht geschafft ist. Dies belegt ein heute veröffentlichtes Gutachten, das die Gruppe Ökologie aus Hannover im Auftrag von ROBIN WOOD erstellt hat.

Allein in der britischen Wiederaufarbeitsanlage (WAA) Sellafield an der Nordwestküste Englands lagern nach Berechnungen der Gruppe Ökologie noch 500 Tonnen bestrahlte Brennelemente, die wiederaufgearbeitet werden sollen. Die britische Plutoniumfabrik wurde vor einigen Wochen vorerst geschlossen. Denn es war bekannt geworden, dass ab Mitte letzten Jahres zirka 83.000 Liter eines hochaktiven Uran-Plutonium-Gemischs aus einem Tank ausgelaufen waren, ohne dass die Beschäftigten dies bemerkt hatten. Das radioaktive Gemisch hätte für den Bau von 20 Atombomben gereicht.

"Die Plutoniumfabriken Sellafield und La HagueHague müssen endgültig geschlossen werden", fordert Bettina Dannheim, Energiereferentin von ROBIN WOOD. "Bundesumweltminister Trittin darf nicht auf halbem Wege stehen bleiben und nur die Transporte ins Ausland stoppen. Notwendig ist ein konsequenter Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft." Die Wiederaufarbeitung ist ein technisch komplexer Prozess, bei dem der Atommüll in verschiedene chemische Bestandteile aufgetrennt wird. Der Name Wiederaufarbeitung ist irreführend, weil nur wenige Prozente des bearbeiteten Atommülls wieder verwendet werden.

Bei der Wiederaufarbeitung gelangen radioaktive Substanzen über Abluft und Abwasser in großen Mengen in die Umgebung. So werden rund um die Plutoniumfabriken in Sellafield und La Hague die Grenzwerte der deutschen Strahlenschutzverordnung - laut einem Gutachten im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz - zum Teil um das 20-fache überschritten. Im Umkreis beider Anlagen wurde eine Erhöhung der Leukämierate bei Kindern im Vergleich zum jeweiligen Landesdurchschnitt festgestellt.

Nach Abschätzung der Gruppe Ökologie werden in La Hague und Sellafield noch zirka neun Tonnen Plutonium aus bestrahlten Brennelementen abgetrennt. Plutonium gehört zu den giftigsten Stoffen, bereits ein Millionstel Gramm ist krebserregend. Das abgetrennte Plutonium soll vollständig zu Mischoxid(MOX)-Brennelementen verarbeitet werden, die dann in den deutschen Reaktoren eingesetzt werden. MOX-Brennelemente sind - was den Strahlenschutz, die Sicherheitstechnik, die Endlagerung und die Proliferation anbelangt - noch problematischer als Uran-Brennelemente. Ein bis zwei unbestrahlte MOX-Brennelemente enthalten die Plutoniummenge für eine Atombombe.

Ein sofortiger Stopp der Aufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland würde dazu führen, dass die Plutoniumfabriken in Sellafield und La Hague früher endgültig stillgelegt würden. Dadurch würde die radioaktive Belastung der Bevölkerung in der Umgebung der Anlagen erheblich sinken. Außerdem wäre die Gefahr weiterer Störfälle gebannt.