Nur halb so viele Atomtransporte seit 2001 dank Anti-Atom-Bewegung

Gewaltfrei und ungehorsam

267 Castor-Behälter wurden laut Bundesumweltministerium seit dem Atomkonsens 2001 zur Wiederaufbereitung nach Sellafield und La Hague transportiert. 500 Stück hätten jedoch laut der Vereinbarung zwischen der Bundesreregierung und der Atomwirtschaft transportiert werden dürfen. Darauf wies die Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer" am Freitag hin. Sie schrieb, diese nahezu-Halbierung verbuche die Anti-Atom-Bewegung als ihren Erfolg.

"Jahr für Jahr" hätten nur etwa die Hälfte an Transporten durchgeführt werden können, weil jeder Atommüllzug durch zahlreiche Protestaktionen begleitet worden sei, sagte Jochen Stay von X-tausendmal quer. Bundesumweltminister Jürgen Trittin sagte am Donnerstag, die Wiederaufarbeitung von Atommüll sei "nie etwas anderes gewesen" als die "Verlagerung unserer atomarer Entsorgungsprobleme ins Ausland".

Das Bundesumweltministerium unterstrich, dass bei der Aufarbeitung atomwaffenfähiges Plutonium entsteht. Es wies auf einen kürzlich geschehenen Unfall in der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield hin, bei dem eine große Menge Plutonium aus einem Behälter austrat. Das Bundesumweltministerium schreibt: "Die Wiederaufarbeitung ist seit Jahrzehnten immer wieder durch Störfälle und wegen ihrer hohen radioaktiven Ableitungen in die Umwelt umstritten gewesen."

Die Risiken der Wiederaufarbeitung würden durch den jüngsten Störfall in Sellafield unterstrichen, bei dem 22 Tonnen in Salpetersäure aufgelöste abgebrannte Brennelemente aus einem Tank ausgelaufen seien. In der Lösung seien etwa 220 kg Plutonium enthalten. Dieses sei "nicht nur wegen seiner radioaktiven Strahlung gefährlich", sondern zugleich auch "der begehrteste Stoff zum Bau von Atombomben". Besitz oder Herstellungskapazitäten für Plutonium hätten "bis in die Gegenwart" immer wieder zu internationalen sicherheitspolitischen Konflikten geführt.

Bundesumweltminister Trittin begrüßte am Donnerstag vor dem Deutschen Bundestag die Entscheidung des Atomkraftbetreibers Vattenfall, auf den letzten, ursprünglich für diesen Monat geplanten Atomtransport von Krümmel nach Sellafield zu verzichten. Die Initiative X-tausendmal quer fordert nun, auch die Brennelemente nicht mehr aufzubereiten die schon angeliefert in den Anlagen in Frankreich und England liegen. Es sollten also "nicht nur die Transporte, sondern auch die gefährliche Wiederaufarbeitung gestoppt werden", so die Initiative. Trittin selbst hatte am Donnerstag gesagt, die Plutoniumwirtschaft sei "gefährlich und wirtschaftlich unrentabel".

Jochen Stay von X-tausendmal quer sagte: "Angesichts des jüngsten schweren Störfalls in Sellafield und angesichts der schleichenden radioaktiven Verseuchung rund um die Anlagen wäre es ein Skandal, wenn der bereits in Sellafield und La Hague lagernde Atommüll jetzt noch jahrelang durch diese maroden Atomfabriken gejagt würde."

Die Atomkraftgegner wiesen darauf hin, dass die Wiederaufbereitungsanlagen kein Instrument zur Verringerung der Atommüllmenge seien, sondern dass dort lediglich die Abtrennung des militärisch nutzbaren Plutoniums stattfinde. Bei diesem aufwändigen technischen Vorgang vervielfache sich die Menge des radioaktiven Abfalls. Zudem würden ständig strahlende Abwässer ins Meer geleitet.

Stay sprach angesichts der beinahe-Halbierung der Transporte von "einem Teilerfolg" der Mut mache "auch zukünftig mit direkten gewaltfreien Aktionen Einfluss auf die Politik zu nehmen." Die Protestaktionen hätten zu Überlastungen bei den Transporten geführt. Polizei und Grenzschutz hätten daher immer wieder Transporttermine verschieben oder ganz absagen müssen. Durch diese seien nämlich Überlastungen entstanden, wegen denen Polizei und Grenzschutz immer wieder Transporttermine verschieben oder ganz absagen mussten.