Kriegsverbrechen hinterlassen auch nach zehn Jahren offene Wunden

Bosnien und Herzegowina

Kerzen und Grabsteine in Aachen, Postkarten mit den Namen der Opfer in Bonn, Steckbrief-Luftballons in Bad Honnef, ein Infostand in Ludwigsburg, Appell-Briefe im Internet: Mit diesen und anderen Aktionen erinnert die deutsche Sektion von Amnesty International (ai) in den kommenden Tagen an die Opfer von Srebrenica im Juli 1995, dem schlimmsten Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, das das UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag als Völkermord betrachtet. ai fordert, die Suche nach den Tätern und Drahtziehern zu verstärken.

"Zehn Jahre nach dem Massaker warten viele Frauen von Srebrenica immer noch darauf, dass die Männer, die ihre Ehemänner und Söhne getötet haben, vor Gericht gebracht werden", sagt Gesa Ott, Expertin für Bosnien und Herzegowina der deutschen ai-Sektion. "Die meisten Familien hoffen auch noch darauf, die Leichname ihrer Angehörigen zurückzubekommen, um sie endlich beerdigen zu können. Oft wissen sie immer noch nicht, was genau mit ihren Familienmitgliedern geschehen ist."

Die Drahtzieher des Massakers, wie der ehemalige Führer der bosnischen Serben Radovan Karadži?, der bosnisch-serbische General Ratko Mladi? und sein Assistent Zdravko Tolimir sind immer noch auf freiem Fuß. Daher appelliert ai-Expertin Ott auch an die Bundesregierung: "Am EUFOR-Einsatz in Bosnien und Herzegowina sind auch Bundeswehreinheiten beteiligt. Sie müssen sich stärker an der Suche nach den Kriegsverbrechern beteiligen und dafür sorgen, dass diese an das Haager Tribunal überstellt werden. Den Opfern von Srebrenica und ihren Angehörigen muss endlich Gerechtigkeit widerfahren!"

Hintergrund: Am 11. Juli 1995 sahen UN-Truppen in Srebrenica tatenlos zu, als serbisch-bosnische Streitkräfte die UN-"Schutzzone" besetzten. In den darauf folgenden Tagen töteten serbisch-bosnische Soldaten mindestens 8.000 bosnische Muslime.