Kolumbianisches Solar- und Friedensdorf soll bedroht sein

Zwischen den Fronten

Das "Institut für Globale Friedensarbeit" (IGF) hofft auf internationalen Schutz für das kolumbianische Friedensdorf San José. Seit seiner Gründung am 23. März 1997 seien 164 Bauern, Männer, Frauen und Kinder teilweise bestialisch ermordet worden, schreibt das Institut. Die 1350 Einwohner würden sich "strikt gewaltfrei" aus dem Konflikt zwischen Militär, Polizei, Paramilitärs und Guerilla-Gruppen heraushalten. Sie arbeiteten stattdessen, unabhängig von den Konfliktparteien, am Aufbau eines ökologischen und durch Solartechnik autarken Modelldorfes. Mit europäischen Wissenschaftlern und Institutionen hätten Gespräche begonnen, aus dem Dorf ein Zukunftsmodell "San José Solar" mit ständiger internationaler Präsenz zu machen. Der Bundestagsabgeordnete und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, wolle die Schirmherrschaft für dieses Vorhaben übernehmen. Nun aber fürchtet das Institut, es könne bald zur vollständigen Vertreibung oder Eliminierung des Dorfes kommen. Die kolumbianische Regierung unterstelle den Einwohnern - ungerechtfertigterweise - die Zusammenarbeit mit Guerilla-Gruppen. Kolumbianische Botschaften in aller Welt seien angewiesen worden, vor Handel, Austausch und jeglicher Kooperation mit San José zu warnen. Der so geschürte unbegründete Terrorismusverdacht mache die Dorfbewohner de facto zu Vogelfreien.

Am 21. Februar 2005 seien acht Menschen, darunter Luis Eduardo Guerra, einer der Leiter des Dorfes, und drei Kinder grausam ermordet worden. Amnesty International, Peace Brigades International und andere internationale Beobachter prangerten diese fürchterliche Tat an. Nach Informationen des Institutes für Globale Friedensarbeit blieben die Mörder straffrei.

Bodenschätze und Bürgerkrieg

Das Massaker sei ein Vorfall in einer Reihe von Angriffen, denen das Dorf ausgesetzt sei. Die Angriffe sind nach Auffassung des Instituts "Teil der Strategie, das wegen seiner Bodenschätze und seiner strategischen Lage hart umkämpfte Gebiet von seinen Bewohnern leerzufegen. Statt San José zu schützen, beschuldigte der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe Vélez im März 2005 Bewohner des Dorfes öffentlich, mit Guerilla-Gruppen zu kooperieren und sie zu unterstützen."

Institut: Keine Kooperation mit den Konfliktparteien

Das Institut für Globale Friedensarbeit betonte, die Menschen in San José de Apartadó verzichteten auf jegliche Waffen und verweigerten die Kooperation mit sämtlichen der Konfliktparteien "und das in einer Region, die seit 40 Jahren in heftige Konflikte verstrickt ist."

Das Dorf stehe unter persönlicher Begleitung durch mehrere kolumbianische und internationale Beobachter und Menschenrechtsaktivisten, unter anderem von Gloria Cuartas, die 1996 von der UNESCO als "Bürgermeisterin für den Frieden" ausgezeichnet wurde, und dem Jesuitenpater Javier Giraldo.

"Eine kleine Insel des Friedens und der Neutralität"

Gloria Cuartas sagte: "San José ist eine von 20 Friedensgemeinden in ganz Kolumbien." Inmitten des grausamen Konfliktes bildeten seine Bewohner eine kleine Insel des Friedens und der Neutralität und lebten strikt gewaltfrei. "San José ist unsere Hoffnung auf ein friedliches Kolumbien. Es darf nicht sein, dass Menschen, die nie Waffen tragen, gejagt und grausam umgebracht werden."

Rufe nach Unterstützung

Die Bewohner des Friedensdorfes, sowie Gloria Cuartas und Pater Giraldo bitten dringend um den Schutz der Weltöffentlichkeit, so das Institut.

Auch die Theologin Sabine Lichtenfels, nominiert als eine der "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005" sagte, sie bewundere die Menschen von San José, die mit aller Kraft gewaltfrei versuchten, ein Beispiel für ein friedliches Leben zu geben. "Wir können nicht tatenlos zusehen, wenn Menschen, mit denen wir geweint, gelacht und gesungen haben, schon morgen zu Märtyrern werden." Es müsse jetzt schnell gehandelt und ihnen geholfen werden, indem eine große Öffentlichkeit für sie geschaffen werde. "Ich rufe alle internationalen Friedenskräfte auf: Helft mit, dass San José bekannt und dadurch geschützt wird."