Taizé-Gründer Frère Roger getötet

Ökumenische Bewegung

Der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère Roger, ist bei einem Messer-Angriff während eines Gottesdienstes getötet worden. Während der religiösen Zeremonie am Stammort der Gemeinschaft in Ost-Frankreich sei eine Frau unter den rund 2500 Anwesenden aufgestanden und habe Roger mit drei Messerstichen getötet, gab die Polizei am späten Dienstag abend bekannt. Der 90 Jahre alte Roger sei sofort tot gewesen. Die 36-jährige Täterin sei von den Gläubigen überwältigt und festgehalten worden. Der in der Schweiz geborene protestantische Pastor hatte 1949 mit anderen Geistlichen die internationale Gemeinschaft von Taizé gegründet. Die ersten Brüder hatten evangelische Wurzeln, später kamen auch Katholiken hinzu. Roger war eine der führenden Figuren der ökumenischen Bewegung.

Seit 1978 veranstaltet die Brüderschaft jeweils zum Jahreswechsel ein europäisches Jugendtreffen. In Deutschland gab es bislang in Köln, München, Stuttgart und Hamburg Begegnungen. Der ökumenischen Gemeinschaft gehören heute rund 100 Brüder aus 25 Ländern an.

Seinen ökumenischen Männerorden gründete Roger 1940 in der burgundischen Ortschaft Taizé, in der er zunächst Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs aufnahm. Der Name des Ortes ist seitdem ein Synonym für die ökumenische Bewegung. Heute besteht die Gemeinschaft aus mehr als 100 Ordensbrüdern aus mehr als 25 Ländern, Katholiken und Protestanten. Sie will zu einer Versöhnung der konfessionellen Spaltungen im Christentum beitragen. Jährlich pilgern Tausende Jugendliche, sowohl Protestanten als auch Katholiken, nach Taizé.

Die Nachfolge Bruder Rogers ist laut Presseberichten schon geklärt. Künftig soll der deutsche Katholik Bruder Alois die Geschicke der ökumenischen Glaubensgemeinschaft in dem burgundischen Dorf nahe Dijon führen. Wie aus der Gemeinschaft verlautete, hatte Frère Roger den 51 Jahren alten Deutschen bereits vor acht Jahren zu seinem Nachfolger bestimmt. Bruder Alois, der seit 32 Jahren der Gemeinschaft von Taizé angehört, eilte vom Weltjugendtag in Köln sofort zurück nach Frankreich.