Menschenrechtler fürchten um Pressefreiheit in den USA

Grass, Wenders & Christiansen

Die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" sieht einen wichtigen Pfeiler der Pressefreiheit in den USA bedroht. Rund 20 Journalisten könnte demnach zur Zeit eine Haftstrafe drohen, weil sie ihre Informationsquellen nicht preisgeben wollten. Aus diesem Grunde sitze die Journalistin Judith Miller bereits seit 50 Tagen im Gefängnis. Am Mittwoch veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation eine Petition in der die Freilassung Millers gefordert wird. 27 europäische Prominente, darunter Günther Grass, Sabine Christiansen und Wim Wenders, gehören demnach zu den Unterzeichnern.

Enthüllungsjournalismus vor dem Aus?

Vier Monate soll Miller insgesamt wegen "Missachtung des Gerichts" im Gefängnis verbringen, so Reporter ohne Grenzen. Die Strafe würde aber sofort enden, wenn sie ihre Quellen doch noch bekannt gebe. Man wolle sie "weichkochen", meint man bei Reporter ohne Grenzen. In der Petition heißt es: "Sie ist lediglich ihrer Arbeit nachgegangen. Ihre Festnahme ist ein Irrtum."

Der Quellenschutz sei eine wichtige Grundlage für den Journalismus. Kein Insider würde Informationen an die Presse geben, wenn er fürchten müsse bekannt zu werden. Enthüllungen wie beim Watergate-Skandal würden so unmöglich, meint die Organisation.

Ein anderes Beispiel

Als weiteres Beispiel nannte die Organisation den Journalisten Jim Taricanis. Dieser sei für eine NBC-Tochter tätig gewesen und habe dieses Jahr für vier Monate unter Hausarrest gestanden, da auch er sich geweigert habe, Quellen preiszugeben. Er habe weder Interviews geben, noch das Internet nutzen dürfen.

Vorbild USA

Für Reporter ohne Grenzen ist auch die Vorbildfunktion der USA wichtig. Diese würde von den USA selbst oft betont und im Namen von Freiheit und Demokratie würden die USA auch "in die Welt hinausmarschieren". Sie machten sich nun mit den Angriffen auf die Pressefreiheit doppelt unglaubwürdig.

"Wie können wir jetzt noch von anderen Ländern verlangen, Meinungs- und Informationsfreiheit, Säulen jeder Demokratie, zu achten?", fragt die Organisation, die sonst meist gegen Kuba und China vorgeht.