Weniger Kündigungsschutz würde angeblich jeden dritten Arbeitnehmer treffen

Job-Effekte nicht messbar

Eine Lockerung des Kündigungsschutzes würde nach einer Übersicht der Hans-Böckler-Stiftung jeden dritten Arbeitnehmer in Deutschland betreffen. Bis zu neun Millionen Arbeitnehmer wären danach bei einer Beschränkung des Kündigungsschutzes auf Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten ohne Schutz gegen ungerechtfertigte Kündigungen, so die Übersicht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Falls eine Verschärfung lediglich für Neueinstellungen eingeführt werden sollte, seien nicht alle neun Millionen Beschäftigten sofort betroffen. Doch wegen der starken Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt würde sie sich zunehmend bemerkbar machen, so die Wissenschaftler: Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) beginnen jährlich zwischen 7,3 und 8,9 Millionen Menschen ein neues Arbeitsverhältnis.

Bei einer Ausweitung der Wartezeit - die Zeit, die ein Beschäftigungsverhältnis bestanden haben muss, um unter den Kündigungsschutz zu fallen - würden darüber hinaus auch immer mehr Mitarbeiter von größeren Firmen ihren Kündigungsschutz verlieren, so das WSI. Schon heute treffe jede fünfte Entlassung in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten Arbeitnehmer, die noch kein halbes Jahr im Betrieb arbeiteten - und deshalb noch keinen Kündigungsschutz genießen. Bei einer Verlängerung der Wartefrist von heute sechs Monaten auf zwei Jahre würde nach WSI-Berechnungen bei 48 Prozent aller Kündigungen der Kündigungsschutz nicht mehr gelten.

Das WSI wies angesichts entsprechender Diskussionen darauf hin, dass Untersuchungen verschiedener Forschungsinstitute keinen empirischen Beleg dafür erbringen konnten, dass unterschiedliche Schwellenwerte für den Kündigungsschutz zu mehr Beschäftigung führen.