Ehemaliger US-Außenminister bedauert seine Aussagen vor dem Irak-Krieg

UN-Rede

Er galt zu seiner Amtszeit stets als "loyaler Soldat". Jetzt hat der ehemalige US-Außenminister Colin Powell erstmals öffentlich gegen die Regierung von US-Präsident George W. Bush Stellung bezogen und damit für großes Aufsehen gesorgt. Bei einem UN-Auftritt 2003 kurz vor dem US-Militäreinmarsch im Irak hatte Powell sein politisches Gewicht voll in die internationale Waagschale geworfen und erklärt, es gebe dort Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen. Die Europäer und auch Deutschland hatten dies damals skeptisch gesehen. Nun zog er seine Äußerungen in einem ABC-Interview mit großem Bedauern quasi zurück.

Powell, der erste Schwarze im Amt des US-Außenministeriums, der seinen Posten Anfang des Jahres aufgab, ist immer noch populär. Bis zu seinem Gespräch mit der bekannten ABC-Fernsehkorrespondentin Barbara Walters in der Nacht zum Freitag (MEZ) hatte er alle anderen Interview-Wünsche kategorisch abgelehnt. Nun verband Powell seine Kritik an Bushs Irak-Nachkriegspolitik mit dem Ausdruck größten "Bedauerns" für seinen damaligen Auftritt vor der UN.

Seine Rede vor dem UN-Sicherheitsrat und der via TV zugeschalteten Weltöffentlichkeit sei "ein Schandfleck" in seiner über 35-jährigen Militärkarriere und dem sich anschließenden zivilen Amt als Außenminister, sagte der hochdekorierte Vier-Sterne-Ex-General Powell. Schließlich sei er es letztlich gewesen, der dem Irak vor den Vereinten Nationen vorgeworfen habe, tatsächlich Massenvernichtungswaffen zu besitzen und zu verstecken.

Und diese persönliche Aussage, die den Anschuldigungen der Bush-Regierung mehr Gewicht verlieh, sich in der Folge aber als falsch herausstellte, werde seine Karriere immer negativ überschatten. "Es hat sehr weh getan. Und es tut noch immer weh", sagte Powell und sprach von einem "Fehltritt" vor dem UN-Sicherheitsrat.

Powell sagte weiterhin, dass er nie eine Verbindung zwischen Irak und den Terrorattacken vom 11. September 2001 in New York und Washington gesehen habe - ein Zusammenhang, der von Bush oft bemüht wurde. "Ich habe niemals Beweise gesehen, die (eine solche Verbindung) auch nur nahegelegt haben", so Powell.