Deutsche Geheimdienste warnen vor chinesischen "Triaden"

Arbeiter in Restaurants

Noch stärker als bei anderen Institutionen wird bei Informationen aus Geheimdienstkreisen immer wieder davor gewarnt, diese als die reine Wahrheit zu betrachten. Es sei kaum zu durchschauen, aus welchen Motiven Geheimdienste zu bestimmten Zeiten bestimmte Aussagen an die Medien lancieren. Unter diesem Vorbehalt geben wir hier Informationen der Nachrichtenagentur ddp wieder, wonach Geheimdienste sich über die zunehmenden Aktivitäten der "Triaden" in Deutschland "besorgt" zeigen. "Die chinesische Verbrecherorganisation bringt immer häufiger illegal Landsleute in die Bundesrepublik oder schleust sie über das Bundesgebiet weiter in andere Länder", sagte ein Geheimdienstexperte der Nachrichtenagentur ddp am Wochenende in Berlin.

Seit 2003 werde ein "steigender Trend" von ungesetzlich in die Bundesrepublik einreisenden Chinesen registriert. Sie tauchten unter und arbeiteten zum Beispiel in Restaurants, auf Baustellen oder in der Landwirtschaft. Der Geheimdienstler verwies auf jüngste Festnahmen von chinesischen Schleusern in Stuttgart, Esslingen und Schwäbisch Gmünd am vergangenen Dienstag.

BKA: "Die Triaden gelten als das mächtigste Verbrechersyndikat auf der Erde"

"Die berüchtigten 'Triaden' arbeiten derart perfekt, dass wir ihnen bis jetzt nicht wirklich auf die Schliche gekommen sind", erläuterte ein Oberstaatsanwalt, der sich mit dem Problem beschäftigt. Ähnlich äußerte sich das Bundeskriminalamt (BKA). Es sei bei den polizeilichen Ermittlungen "unheimlich schwierig, eigentlich ausgeschlossen, in die Strukturen der Triaden einzudringen", schilderte ein BKA-Beamter. Es handle sich um eine "festgefügte ethnische Gruppierung". Mit ihrem Zeichen des Drachen gelten die "Triaden" als das mächtigste Verbrechersyndikat auf der Erde, gefährlicher und brutaler als die italienische Mafia.

Von den baden-württembergischen Städten aus habe "die chinesische Schleuserbande" nach den Feststellungen der Polizei in mehreren Fällen rund 120 eingeschleuste Chinesen weiter nach Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Großbritannien gebracht.

Im vergangenen Jahr seien auch in mehreren nord-, ost- und westdeutschen Städten Schleuser, die "Shetous" (Schlangenköpfe) genannt werden, aufgeflogen. Die "Shetous" würden stets nach dem gleichen Verfahren vorgehen: Sie brächten die "Wu Min", die "Namenlosen", die ihr Heil im Ausland suchen wollten, von China über Russland und die Ukraine in die Tschechische Republik. Prag werde als Drehkreuz benutzt, wo die Flüchtlinge aufgeteilt würden. Von Prag aus gehe es für die "Wu Mins", die meist 10.000 Euro für die Schleusung zahlen müssten, in die Bundesrepublik, die als Transitland zum Weitertransport benutzt werde.

Internationalen Organisation für Migration: ein Milliardengeschäft

Der Bundesnachrichtendienst (BND) habe die Bundesregierung bereits vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass die chinesische Schleusermafia Chinesen auch getarnt als Touristen nach Deutschland schmuggele. Seit September 2004 werde für China nach einer Vereinbarung der EU ein erleichtertes Reisebüroverfahren angewendet. Dabei würden für Gruppenreisen Visa von chinesischen Reisebüros ausgestellt, ohne dass der Einzelne persönlich erscheinen müsse. Eine große Zahl von Reisebüros in China sei nach den Darstellungen in die Schleusungen nach Europa und insbesondere nach Deutschland verwickelt. Manche der Büros böten ihren Kunden sogar Dokumente an, die sie dann in der Bundesrepublik als Asylsuchende ausgäben, beispielsweise als einen nach dem Aufstand in Peking im Jahr 1989 verfolgten Oppositionellen.

Die Europäische Union gehe davon aus, dass die "Triaden" in mehreren Ländern der EU operieren. Der Menschenschmuggel habe sich nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Genf auf der ganzen Welt zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Es sei ähnlich profitabel wie der Drogenhandel. Pro Jahr würden nach Schätzung der IOM bis zu zehn Milliarden Dollar umgesetzt. Die Hauptbetätigungsfelder der "Triaden", die schon im 18. Jahrhundert in China gegründet worden seien, sollen der Menschenschmuggel, Drogenhandel, die Geldwäsche und Schutzgelderpressungen sein. Davon seien nach Polizeiangaben viele China-Restaurants in Deutschland betroffen.