Streit über Kraftstoffverbrauch von Neuwagen

Autoverkehr

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) widerspricht den Angaben des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA) zum durchschnittlichen Verbrauch von Neuwagen aus deutscher Produktion. Der am Dienstag vom VDA veröffentlichte Wert von 6,8 Litern Kraftstoffverbrauch auf 100 Kilometern ist nach Auffassung des Umwelt- und Verbraucherverbandes VCD falsch. Nach dessen Berechnungen soll der Verbrauch deutscher Neuwagen gewichtet nach Verkaufszahlen 7,1 Liter Kraftstoff betragen. Differenziert nach Antriebsart ergäben sich Durchschnittsverbräuche von 6,7 Liter für Diesel- und 7,5 Liter für Benzin-Pkw.

"VDA-Präsident Gottschalk rechnet sich den Verbrauch schön, um etwas gegen die berechtigte Kritik von Fachleuten aus der Umwelt- und Autobranche vorzubringen", meint Hermann-Josef Vogt vom alternativen Verkehrsclub. "Aber auch mit solchen Phantasiezahlen kann er nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutschen Autobauer zu lange aufs falsche Pferd gesetzt haben und nun der ausländischen Konkurrenz hinterherhinken." Das werde auch in der aktuellen VCD Auto-Umweltliste deutlich.

Unter den Top Ten sei auf Platz sechs nur ein Fahrzeug aus deutscher Produktion. Der durchschnittliche Kohlendioxid-Ausstoß aller deutschen Pkw, die 2004 in Deutschland neu zugelassen worden seien, liege mit 178 Gramm CO2 pro Kilometer rund fünf Prozent über dem der importierten Fahrzeugen (170 g/km).

Basis für die Berechnungen seien öffentlich zugängliche Daten des Kraftfahrtbundesamtes, das die Datengrundlage des Verkehrsclub Deutschland bestätigt habe, sowie Angaben des Verbandes der internationalen Kraftfahrzeughersteller. Der Verband der deutschen Automobilindustrie könne oder wolle hingegen eigene Zahlen auch auf Nachfrage nicht offen legen.

Für Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland "besteht kein Grund für den Verband der Deutschen Automobilindustrie, sich selbstgefällig zurückzulehnen. Vielmehr müssen die deutschen Hersteller den Kunden angesichts steigender Spritpreise und sich verknappender Ölvorräte endlich verbrauchsarme Pkw anbieten und so auch ihrer Verantwortung für den Klimaschutz gerecht werden", meint er.

Anstatt auf die Politik und die Ökosteuer zu schimpfen solle sich die deutsche Automobilindustrie an die eigene Nase fassen und eingestehen, das deutsche Autohersteller eine Mitverantwortung für die Preisentwicklung auf dem Ölmarkt trügen. Mit wesentlich energieeffizienteren Fahrzeugen hätten die Verbraucher Preisaufschläge besser kompensieren können und gleichzeitig wäre die weltweite Nachfrage nach Treibstoffen weniger stark gestiegen.

"Allein die Preissprünge an der Tankstelle in der letzten Woche", so Lottsiepen, "die auf die Folgen des Hurrikans in den USA, Spekulanten und die Preispolitik der großen Ölkonzerne zurückzuführen sind, waren größer, als alle Stufen der Ökosteuer über fünf Jahre zusammen. Die Konsequenz muss lauten: weniger Abhängigkeit vom Öl. Hierzu muss auch die Autoindustrie einen ambitionierten Beitrag leisten und vom Verhinderer zum Vorreiter werden."