Uniklinikpersonal in Freiburg streikt gegen Lohnabbau

"Schmerzhafte finanzielle Einbußen"

Mit Pfeifkonzerten und Blechtrommeln haben sich Pflegekräfte und technische Mitarbeiter der Universitätsklinik Freiburg am Mittwochmorgen auf den ersten unbefristeten "Erzwingungsstreik" in der Geschichte Baden-Württembergs eingestimmt. "Bestandsschutz" fordern die rund 600 in bunter Eintracht auf dem Klinikumsgelände versammelten Beschäftigten, darunter Krankenschwestern, Pfleger sowie Verwaltungs- Technik-, Küchen- und Reinigungspersonal.

Sie setzen sich zeitgleich mit ihren insgesamt 25.000 Kollegen an den drei anderen baden-württembergischen Unikliniken Ulm, Tübingen und Heidelberg für den Erhalt der 38,5-Stunden-Wohe und ein monatliches Plus von 50 Euro in der Lohntüte ein. Auch die von Arbeitgeberseite für alle Angestellten angestrebte Streichung des Urlaubsgeldes und Abstriche am Weihnachtsgeld wollen die von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vertretenen Beschäftigen so verhindern.

Diese Privilegieneinbußen sowie eine 41-Stunden Woche seien für "rund ein Drittel der Freiburger Beschäftigten im Laufe eines Jahres" bereits Wirklichkeit geworden, beklagt Bernhard Oestinger, Personalrat und Lehrer an der Akademie für Pflegeberufe an der Uniklinik. Eine Schlechterstellung für Neueingestellte beträfe nach Ausbildungsabschluss auch seine Schüler.

Eine Ungleichbehandlung zwischen den Kollegen, die "deutlich das Gerechtigkeitsempfinden stört", beklagt das zur Notversorgung der Patienten aufrechterhaltene Pflegeteam der Neurochirurgie. Dort sieht auf den ersten Blick alles nach Normalbetrieb aus. Doch musste nach Auskunft von Oberarzt Steffen Rasahl wegen des gezielten Streiks im Zentral-OP ein Drittel der vorgesehenen Operationen auf den Folgetag verschoben werden. Zum Leidwesen eines Wirbelsäulen-Patienten, der nach eigenen Worten "gern schon einen Tag früher" von seinen Schmerzen befreit worden wäre. Sonst habe er keine Beeinträchtigungen erlebt, abgesehen vom "Frühstück auf Wegwerfgeschirr", fügt er hinzu.

Auch das Mittagessen werde "heute auf Papptellern serviert", entschuldigt sich Heinrich Maier von der Klinik-Zentralküche für die streikbedingten Unannehmlichkeiten. Trotzdem werde mit Notpersonal und Aushilfskräften der Küchenbetrieb aufrecht erhalten. "Nur zwischen mehreren Menüs wählen kann man heute nicht", bedauert er.

92,5 Prozent der gewerkschaftlich Organisierten hatten für eine Arbeitsniederlegung gestimmt, nachdem am 13. September die Tarifverhandlungen der vier Unikliniken Baden-Württembergs gescheitert waren. Sie wollen keine Gehaltseinbußen von sieben Prozent hinnehmen, während sich ihre Kollegen in den städtischen Krankenhäusern seit dem 1. Oktober tariflich sogar verbessert hätten, betont der südbadische ver.di-Geschäftsführer Reiner Geiß vor der Klinikbelegschaft. Zur Durchsetzung der Forderungen seien punktuelle Streikaktionen bis Weihnachten vorbereitet.

Der leitende Freiburger Uniklinikdirektor Professor Matthias Brandes hofft dagegen auf ein schnelles Ende der Streiks. Zwei, drei Tage könne die Klinik das durchstehen. Schon jetzt käme es zu "schmerzhaften finanziellen Einbußen".

Anders als in den städtischen Häusern müssten Unikliniken ein breitgefächertes und daher teureres Angebot vorhalten, betont Brandes. Auch der alte Gebäudebestand bremse weitere Rationalisierungsbemühungen. Dem stünden feste Budgets der Krankenkassen und leere öffentliche Kassen gegenüber. Brandes bedauert, dass die Gewerkschaft auf einen Haustarif mit 40-Stunden-Woche und 25 Euro Lohnerhöhung nicht eingehen will. Die Arbeitgeberseite will am Montag in Stuttgart über die Lage beraten.