Freude und Protest wegen Autobahn A44 zwischen Kassel und Eisenach

1,3 Milliarden Euro

In Hessen wurde am Donnerstag ein erster Neubauabschnitt der Autobahn A 44 für den Verkehr freigegeben. Er ist Teil der insgesamt 65 Kilometer langen Neubaustrecke der A 44 zwischen Kassel und Eisenach. Der Bund investiert in dieses Verkehrsprojekt Deutsche Einheit etwa 1,3 Milliarden Euro. "Mit der heutigen Verkehrsfreigabe wird die Verbindung der Wirtschaftszentren in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen entscheidend verbessert", sagte Mertens, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood protestierte gegen die geplante Autobahn. Wer Straßen sähe, werde noch mehr Verkehr ernten, hieß es bei den Umweltschützern unter Verweis auf entsprechende verkehrspolitische Erfahrungen in der Vergangenheit. Der Güterverkehr auf deutschen Straßen sei von 1991 bis 2002 um rund 45 Prozent gestiegen. Dadurch habe der Schadstoffausstoß stark zugenommen.

Zwei Drittel der verkehrsbe­dingten Stickstoff-Emissionen, mitverantwortlich für das Waldsterben, stammen nach Angaben von Robin Wood aus den Auspuffrohren der Lastkraftwagen. Dazu kämen "krebserregender Dieselruß" und das Treibhausgas Kohlendioxid. Prognosen gingen von einer weiteren starken Zunahme des Güterverkehrs im Zuge der EU-Osterweiterung aus. Straßenbauprojekte wie die Abkürzungsautobahn A 44 machten es für Unternehmen billiger und damit attraktiver, Güter zwischen Polen, Tschechien und Westeuropa auf der Straße zu transportieren - "mit ökologisch fatalen Folgen".

Wer jetzt eine neue Autobahn baue, ziehe mehr Straßenverkehr an. Der massenhafte Güterverkehr werde aber auf der Straße nicht zu bewältigen sein, "ohne dass die Gesundheit der Menschen in der Re­gion darunter leidet, Natur zerstört und das Klima belastet wird", meint Monika Lege von Robin Wood. Sie forderte eine Verkehrswende anstelle von neuen Straßen: "Güter runter von den Straßen und rauf auf die Schiene."

Die Umweltorganisation wies darauf hin, dass als nächstes "der naturschutzrechtlich äußerst problematische Abschnitt Hessisch Lichtenau westlich von Walburg" gebaut werden solle. Hier habe das Bundesverwaltungsgericht 2002 einen Baustopp verfügt - "wegen erheblicher Eingriffe in das nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie ge­schützte Gebiet Lichtenauer Höhe". Noch in diesem Jahr werde ein neuer Planfeststellungsbeschluss er­wartet. Robin Wood fordert, diese Planung aufzugeben und ein Konzept vorzulegen, wie der Güter­verkehr verringert und auf die Schiene verlagert werden könne.

Die Umweltschützer verlangen, es bei der Ortsumfahrung zu belassen und die weiteren Planungen für die A44 aufzugeben. Die Region verfüge bereits über ein dichtes Autobahnnetz. Die zusätzliche Ver­bindung hätte allein den Zweck, eine Abkürzungsstrecke zwischen A7 und A4 für den Transitverkehr zu schaffen. Dafür sollten mindestens 1,3 Milliarden Euro Steuergelder verbaut werden. Auf einer Strecke von 65 Kilometer würde Landschaft asphaltiert, sieben europäische Naturschutzgebiete würden dabei in Mitleidenschaft gezogen.

Die A44 solle zwischen Kassel und dem thüringischen Wommen parallel zur Bundesstraße 7 verlau­fen. Auf der B 7 habe der hessische Wirtschaftsminister Rhiel erst im August dieses Jahres - auf Druck von AnwohnerInnen, Verkehrsinitiativen und Umweltverbänden - ein LKW-Durch­fahrverbot angeordnet. Die AnwohnerInnen der Bundesstraße seien also bereits vom LKW-Durch­gangsverkehr entlastet und brauchten dafür keine Autobahn.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums wurden insgesamt bis Ende 2004 bereits rund 11,8 Milliarden Euro in die insgesamt sieben Straßenbauvorhaben der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit investiert. Allein in die A 44 und A 4 Kassel - Eisenach - Dresden - Görlitz seien bereits 2,5 Milliarden Euro geflossen. "Mit diesen Investitionen hat die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung in den neuen Ländern und für das Zusammenwachsen Deutschlands geleistet", so Staatssektretärin Mertens.