Grüner Gewerkschafter Bsirske jetzt wieder gegen Atomenergie

"Aus ideologischen Gründen"

Frank Bsirske, Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen sowie im Aufsichtsrat des Atomkonzerns RWE, möchte jetzt doch am so genannten Atomausstieg festhalten. Der grüne Gewerkschafter war unter erheblichen Druck geraten, nachdem er kürzlich gemeinsam mit den vier großen deutschen Atomkraftwerksbetreibern E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall sowie mit der atomfreundlichen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie eine Erklärung unterzeichnet hatte. Darin wurde die Forderung erhoben, die Laufzeiten der Atomkraftwerke allein von deren Sicherheitsstandards abhängig zu machen. Einzelne Energieträger dürften nicht "aus ideologischen Gründen" aufgegeben werden. Nach einer Protestwelle und einem Gespräch mit EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer bekräftigte Bsirske schließlich, ver.di wolle doch am Atomausstieg festhalten. Der SPD-Politiker und engagierte Atomkraftgegner Scheer hatte zuvor angekündigt, seine ver.di-Mitgliedschaft aus ideologischen Gründen zu beenden. Jetzt bleibt er in der Gewerkschaft.

Bsirske und Scheer hatten sich am Dienstag "zu einem Gedankenaustausch über energiewirtschaftliche Zukunftsfragen getroffen". Frank Bsirske habe im Gespräch mit Hermann Scheer bekräftigt, dass ver.di am Atomausstieg festhalten werde und sich auch weiter gegen die Verlängerung der gesetzlich vereinbarten Restlaufzeiten stelle, hieß es anschließend in einer Pressemitteilung.

Ebenso stelle er sich mit seiner Gewerkschaft "voll inhaltlich" hinter das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), den weiteren zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie das Festhalten an den Klimaschutzzielen des Kyoto-Protokolls und die darauf bezogenen ergriffenen gesetzlichen Initiativen in Deutschland.

Hermann Scheer machte nach dem Gespräch deutlich, dass er ver.di-Mitglied sei und bleiben werde.