Hilfsorganisation fürchtet Verschärfung der Armut für Afrika durch WTO

Oxfam-Warnung

Afrika könnte als Folge des Abkommens, das zurzeit bei der Welthandelsorganisation (WTO) verhandelt wird, noch ärmer werden. Dies ist die Botschaft eines neuen Berichts der internationalen Hilfsorganisation Oxfam, den die Organisation am Montag - vier Jahre nach Beginn der sogenannten Doha-Entwicklungsrunde und einen Monat vor dem WTO-Ministertreffen in Hongkong - veröffentlicht hat.

Afrika sei der einzige Kontinent, der in den letzten 25 Jahren ärmer geworden sei, und Afrika südlich der Sahara die einzige Region weltweit, deren Marktanteile am Weltagrarhandel gesunken seien. Doch anstatt dass die laufende Gesprächsrunde diese Situation verbessern würde, drohe sie eher zu einer weiteren Verschlechterung zu führen, so Oxfam.

Zwischen 1990 und 1999 sei die Armut in Afrika um drei Prozent gestiegen, während im gleichen Zeitraum die Armut weltweit im Durchschnitt um sieben Prozent gesunken sei, so Oxfam. Der Anteil Sub-Sahara-Afrikas am Welthandel sank nach den Zahlen der Hilfsorganisation von sechs Prozent im Jahr 1990 auf rund fünf Prozent im Jahr 2003.

"Die Doha-Runde als 'Entwicklungsrunde' zu bezeichnen, klingt für viele afrikanische Länder nach einem zynischen Scherz", sagte Muthoni Muriu, panafrikanische Handelsberaterin von Oxfam International. "Die reichen Länder haben die Agenda an sich gerissen und versuchen, so viel wie möglich für sich selbst herauszuholen", kritisierte Muriu. "Was bisher angeboten wurde, wird Afrika schaden, nicht helfen."

Viele afrikanische Länder standen im Jahr 2001 einer neuen WTO-Verhandlungsrunde skeptisch gegenüber, aber ihnen wurde versichert, dass die Verhandlungsergebnisse ihre Entwicklung fördern würden. Insbesondere wurden ihnen Fortschritte im Bereich Landwirtschaft und bei der Reform der geistigen Eigentumsrechte versprochen.

Doch die versprochenen Veränderungen sind nach Oxfam-Ansicht ausgeblieben. Zudem sei Afrika weitgehend vom Verhandlungsprozess ausgeschlossen gewesen und die vorliegenden Angebote drohten die Situation weiter zu verschlechtern. "Afrikas Vorschläge hingegen wurden vom Tisch gefegt", so Muriu.

Um bestehende Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten aufrechtzuerhalten, fordern afrikanische Staaten die Möglichkeit, wichtige Agrarprodukte und aufkeimende Industrien weiter mit Zöllen schützen zu können. Wichtig sei zudem ein Ende des Dumpings im Agrarsektor, besonders im Fall von Baumwolle. Zudem müsse das sogenannte TRIPS-Abkommen geändert werden, damit auch arme Länder einen gesicherten Zugang zu bezahlbaren Medikamenten erhalten könnten.

"Die reichen Länder sollten sich daran erinnern, dass Afrika und andere Entwicklungsländer die Macht haben, das WTO-Abkommen zu blockieren, wenn es ihnen keinen Nutzen bringt", warnte Oxfam-Handelsberaterin Muriu. "Und sie wären absolut im Recht, wenn sie dies täten. Die dadurch entstehenden Verluste würden dann alle treffen."