Vatikan will Homosexuelle vom Priesteramt ausschließen

"Homosexuelle Tendenzen"

Der Vatikan will Homosexuelle vom Priesteramt ausschließen. Das Dokument mit dem Titel "Instruktion über die Kriterien zur Unterscheidung von Berufungen bei Personen mit homosexuellen Tendenzen hinsichtlich ihrer Zulassung zum Seminar und zu Weiheämtern" wurde am Dienstag in Rom veröffentlicht. In dem achtseitigen Papier heißt es, die Kirche könne "jene nicht für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen zulassen, die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine so genannte homosexuelle Kultur unterstützen".

Vermutlich mit Blick auf Fälle von Kindesmissbrauch durch pädophile Priester in den USA und anderen Ländern heißt es im Vorwort, die Normen seien "durch die gegenwärtige Situation dringlicher geworden." Mehrere Amtsträger hatten dort jahrelang Kinder und Jugendliche missbraucht. Viele der Vergehen kamen 2002 ans Licht der Öffentlichkeit und lösten scharfe Kritik an der Kirche aus.

Männer mit homosexuellen Tendenzen, die nicht seit mindestens drei Jahren keusch leben, sollen dem Dokument zufolge künftig nicht mehr zum Priester geweiht werden. "Falls es sich jedoch um homosexuelle Tendenzen handelt, die bloß Ausdruck eines vorübergehenden Problems, wie etwa einer noch nicht abgeschlossenen Adoleszenz sind, so müssen sie wenigstens drei Jahre vor der Diakonenweihe eindeutig überwunden sein", heißt es in dem Papier.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, und andere katholische Würdenträger hatten die Vorgabe begrüßt.

Homosexuellen-Verbände kritisierten den Ausschluss schwuler Männer vom Priesteramt scharf. Sie orten dabei eine deutliche Diskriminierung, da heterosexuelle Priesteranwärter solch klare Vorgaben nicht haben und ihre Enthaltsamkeit erst mit dem Tag ihrer Weihe förmlich geloben. "Der Vatikan setzt ein weiteres fatales Zeichen in seinem Kampf gegen die Akzeptanz von Homosexuellen", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD). Es sei zu fürchten, dass die Forderungen zu einem Klima der Einschüchterung und des Versteckens führen.

Der Leiter des Priesterseminars in Hildesheim, Regens Walter Kalesse, sprach sich für mehr heterosexuelle Priester aus. "Vielleicht ist es tatsächlich richtig, einige Jahrzehnte lang nur heterosexuelle Männer zu weihen", sagte Kallesse. Die Vatikan-Instruktion mache deutlich, dass Homosexuelle weniger geeignet für den Priesterberuf seien. Zudem könnte der Anteil der homosexuellen Priester an der gesamten Priesterschaft zu groß werden. Die Kirche habe dann das Recht, eindeutig homosexuell veranlagte Männer von der Priesterweihe auszuschließen, auch wenn sie enthaltsam lebten.