Dresdner-Bank-Manager Warnig war offenbar Stasi-Agent in der Bundesrepublik

Schröders Mitspieler

Neben Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gerät jetzt auch die Dresdner-Bank in die Kritik wegen des deutsch-russischen Konsortiums Nordeuropäische Gas-Pipeline (NEGP). Matthias Warnig, ein Manager der deutschen zum Versicherungsriesen Allianz gehörenden Großbank, ist designierter Vorstandschef des Unternehmens. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" hat Warnig über mehrere Jahre hinweg in der Bundesrepublik spioniert. Unter Berufung auf Stasi-Unterlagen meldet die Zeitung, dass Warnig von 1987 bis mindestens April 1989 unter dem Decknamen "Arthur" als so genannter Offizier im besonderen Einsatz (OibE) in Westdeutschland, vermutlich an der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn, eingesetzt war.

Warnig war bisher Vorsitzender des Aufsichtsrats der Tochtergesellschaft der Dresdner Bank in Moskau und zugleich Chef des Investment-Banking in Russland.

Den Unterlagen zufolge hatte er bereits seit 1976 für die HVA als Offizier im besonderen Einsatz gearbeitet, schreibt das Blatt. Warnig habe mehrfach hohe Stasi-Auszeichnungen erhalten, zuletzt am 7. Oktober 1989 auf Befehl von Staatssicherheitsminister Erich Mielke. Stasi-Akten zufolge habe er aus der Bundesrepublik unter anderem Unterlagen und Informationen über Gentechnologie, Chemie- und Kernforschung sowie Mikroelektronik geliefert. Im März 1987 habe er der Stasi auch über ein "Gespräch mit der Dresdner Bank zu CoCom-Bestimmungen" berichtet.

Schröder angeblich schon länger im Geschäft

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll Ex-Kanzler Gerhard Schröder bereits Anfang Oktober erfahren haben, dass es auf russischer Seite ein Interesse gab, ihn für eine Aufgabe im Imperium des Gaskonzerns Gazprom zu gewinnen. Das Blatt beruft sich hierbei auf den Chefredakteur des russischen Rundfunksenders "Echo Moskwy", Alexej Wenediktow. Der Journalist wird mit den Worten zitiert: "Die Idee, für Gerhard Schröder einen Posten bei Gazprom zu finden, wurde bereits auf dem deutsch-russischen Gipfeltreffen Anfang Oktober in St. Petersburg besprochen." Sein Sender habe das aus "diplomatischen Kreisen" erfahren und die Information am 10. Oktober gesendet, sagte der Chefredakteur.

Nach Ansicht des ehemaligen Vize-Sprechers der SPD-Linken, Detlev von Larcher, ermuntert Schröder mit seinem Verhalten zur Steuerhinterziehung. Denn das deutsch-russische Erdgas-Unternehmen, bei dem Schröder Aufsichtsratschef werden solle, habe seinen Sitz im Schweizer Steuerparadies Zug, sagte Larcher der Chemnitzer Tageszeitung "Freien Presse". Dem Konzern gehe es bei der Ansiedlung, bei der eine Postadresse reiche, vor allem darum, Steuern zu sparen, "die in den Ländern fällig wären, in denen die wirtschaftlichen Aktivitäten stattfinden".

Nach Ansicht Larchers erwarten die deutschen Steuerzahler von einem ehemaligen Regierungschef, "dass er sich dafür einsetzt, das Steuereinkommen in Deutschland zu erhöhen". Mit der Übernahme des Aufsichtsratspostens mache der Ex-Kanzler jedoch genau das Gegenteil. So müsse man sich auch nicht wundern, dass Attac mit der Forderung nach energischer Bekämpfung von Steueroasen bei deutschen Politikern bislang auf taube Ohren gestoßen sei. Es sei eine "Schande", dass Schröder als Aufsichtsratsvorsitzender in Zug allen kleinen und großen Steuerhinterziehern künftig als Rechtfertigung dienen werde.