Hobbyfotografen könnten CIA-Flüge dokumentiert haben

"Planespotter"

"Ob die im Auftrag der CIA oder für den Ku-Klux-Klan fliegen, ist mir egal", erzählt Michael Hooß und setzt die Kamera ab. "Was uns interessiert, sind Maschinen, seltene Airlines oder Lackierungen." Hooß ist ein so genannte Planespotter am Frankfurter Rhein-Main-Airport. Wie so oft steht er auch an diesem Vormittag mit anderen Flugzeugfreaks auf einem Hügel am Zaun der Landebahn und fotografiert alles, was runterkommt. Planespotter, so geht die Vermutung, könnten auch Fotos von CIA-Jets mit Gefangenen an Bord unwissentlich auf ihrem Computer zu Hause gespeichert haben.

Da ist was dran. Trotz ihrer professionellen Kameraausrüstung, mit der ihnen auch mal das Porträt eines Piloten gelingt, können Planespotter zwar nicht in die Flugzeuge hinein fotografieren. Aber zu jedem Bild dokumentieren sie die Kennnummer der Maschine, deren Typ und die Airline. Und die Daten für Abflug oder Landung. Ihre Sammelleidenschaft will es so. Selbst bei Privatjets sind sie fast immer in der Lage, per Kennnummer auf den Besitzer zu schließen.

Planespotter frönen ihrer Leidenschaft weltweit, spüren auch im Urlaub seltenen Flugobjekten hinterher und sind bestens vernetzt. In Spotter-Foren wie "flugzeugbilder.de" stellen sie ihre minuziös kommentierte Ausbeute zur Schau und helfen sich mit Informationen aus. Sollte der US-Geheimdienst CIA bestimmte Flugzeugbewegungen geheim halten wollen, könnten ihm die Planespotter in der Tat einen Strich durch die Rechnung machen. Denn auf dieser Rechnung hatte sie keiner.

Gerade weil ihnen bestimmte Hintergründe egal sind, haben die Flugzeugfreaks schon immer zivile Airports genau so belagert wie militärische. In Frankfurt am Main hatten die Planespotter bis vor kurzem gleich zwei ergiebige Foto-Ziele. Denn unmittelbar südlich des Rhein-Main-Airports betrieb die US-Luftwaffe jahrzehntelang ihre Airbase, die erst vor Wochen geschlossen wurde. Was dort landete, ist fast lückenlos festgehalten.

Als der österreichische Nationalratsabgeordnete Peter Pilz am vergangenen Samstag seinen auch in deutschen Medien abgedruckten "Auszug aus dem Flugplan der Kidnap-Air CIA" (Originalton Pilz) ins Internet stellte, war es zunächst eine bloße Darstellung mit Buchstaben und in Schwarzweiß. Mit Hilfe der Planespotter ließe sie sich bebildern.

Auf der Liste des Österreichers taucht die mittlerweile als CIA-Carrier gehandelte "Tepper Aviation" mehrmals auf, darunter mit Starts und Landungen in Frankfurt am 21. Mai 2002, am 18. Januar 2003 und noch mal am 20. September des gleichen Jahres. Die von Pilz dabei als Transportmittel genannte Lockheed L-100-30 ("Hercules") ist - samt Aufschrift "Tepper Aviation" - an jedem der drei Tage von den hessischen Planespottern im Bild festgehalten worden. Abrufbar im Internet.

Den Planespottern entgehen die Hercules-Maschinen, die geheimnisvollen "Gulfstreams" und die Boeing 737 - die alle für die CIA im Einsatz sein sollen, nicht. Und gerade in der Unbefangenheit, in der sie ihrer Leidenschaft nachgehen, liegt das Interesse begründet, das momentan manche Leute an ihnen zeigen.