Bundesamtschef warnt vor Risiken bei älteren Atomkraftwerken

Dünnere Wände

Im Streit um längere Laufzeiten für deutsche Kernkraftwerke warnt der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, vor einer Unterschätzung der Risiken älterer Reaktoren. "Die Kernkraftwerke, die in dieser Legislaturperiode zur Abschaltung anstehen, wurden allesamt in den sechziger Jahren geplant", sagte König der "Süddeutschen Zeitung". Sie könnten keinesfalls als hochmodern gelten. So seien ihre Wände dünner als bei neueren Anlagen, der Schutz vor Flugzeugabstürzen dadurch geringer.

Absicht der Übertragungsregelung sei es gewesen, diese Kraftwerke möglicherweise früher vom Netz zu nehmen. "Wenn man jetzt versucht, die Strommengen von jüngeren auf ältere Kraftwerke zu übertragen, stellt das die Absichten des Gesetzgebers auf den Kopf", sagte König.

Er reagierte damit auf einen Vorstoß der umweltpolitischen Sprecherin der Unionsfraktion, Katherina Reiche, die eine solche Übertragung von Strommengen neuerer auf ältere Kernkraftwerke gefordert hatte. Das Atomgesetz erlaube dies.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber griff die CDU für diesen Vorstoß scharf an. "Die Union macht sich zum Büttel der Strommonopolisten", sagte Kelber. "Wer ständig den Wettbewerbern am Strommarkt signalisiert: 'Wir fördern Monopolisten', macht die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb kaputt."