Streit wegen Präsentation von Studie über NS-Vergangenheit der Dresdner Bank

"Hausbank der SS"

Der Zentralrat der Juden in Deutschland lehnt die Präsentation einer Studie über die NS-Vergangenheit der Dresdner Bank im Berliner Jüdischen Museum ab. Das Präsidium des Zentralrates werde nicht an der Veranstaltung am 17. Februar teilnehmen, sagte Zentralratsvize Salomon Korn am Mittwoch in Frankfurt am Main. Korn bemängelte, die Einbeziehung des Jüdischen Museums habe den "Beigeschmack einer kalkulierten Vereinnahmung". Er sprach von einer Anbiederung der Bank an die Juden und von einem "Schmusekurs". Schon vor Monaten habe er die Dresdner Bank darum gebeten, die Studie nicht im Jüdischen Museum, sondern im eigenen Bankhaus vorzustellen.

Der Vizepräsident des Zentralrats lobte allerdings, dass die Bank schonungslos ihre Vergangenheit während der Nazizeit aufarbeitet. Dieser Schritt komme zwar spät, aber nicht zu spät. Die Geschichte der Dresdner Bank sei "die dunkelste eines deutschen Geldinstitutes überhaupt." Sie habe als "Hausbank der SS" fungiert.

Eine Sprecherin des Jüdischen Museums sagte, dass Direktor Michael Blumenthal bereits im Frühjahr 2005 Bank-Chef Herbert Walter angeboten habe, zu der Präsentation einzuladen. Blumenthal werde aber voraussichtlich nicht an der Veranstaltung teilnehmen, da er zu diesem Zeitpunkt nicht in Berlin sei. Ursprünglich war Blumenthal als Begrüßungsredner angekündigt worden. Sie dementierte aber Berichte, wonach Blumenthal auf eine Teilnahme bewusst verzichtet.

Nach Angaben von Korn wird auch Zentralratspräsident Paul Spiegel nicht zu der Veranstaltung kommen. Die Bank könne offenbar nicht nachempfinden, dass es der Anstand erfordert, ihre "langen und schwarzen Schatten der Vergangenheit" an einem anderen Ort zu zeigen, rügte Korn. Der Vorsitzende der jüdischen Hilfsorganisation AMCHA, Peter Fischer, sagte gegenüber der "Berliner Zeitung": "Es ist, als wenn sich eine SS-Nachfolgeorganisation im Jüdischen Museum der Geschichte stellt."

Der Sprecher der Dresdner Bank, Ulrich Porwollik, sagte, bislang habe noch kein Mitglied des Zentralrats die Einladung zu dem Kolloquium abgelehnt. Er sagte, dass bei der Präsentation der Studie auf einer Pressekonferenz am Vormittag des 17. Februar der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, teilnehmen werde.

Auftragsarbeit - Historiker bezweifeln Unabhängigkeit der Forscher

Historiker kritisierten unterdessen, dass die rund 2400 Seiten starke Studie von der Dresdner Bank 1997 selbst in Auftrag gegeben wurde. Der Leiter des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam, Julius Schoeps, stellte die Unabhängigkeit der Forscher in Frage. Der geschäftsführende Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, bemängelte, dass es sich um eine "Auftragsarbeit handelt, die vom Auftraggeber präsentiert wird".

In der von dem Historiker Klaus-Dietmar Henke herausgegebenen Arbeit kommen die Autoren laut Medienberichten zu dem Urteil, dass sich die Dresdner Bank einer "offenen Mittäterschaft" am Massenmord an den Juden mitschuldig gemacht hat. Das Bankhaus sei der Studie zufolge beispielsweise eng mit der SS verbunden gewesen. So habe etwa eine Tochterfirma den Bau der Krematorien in Auschwitz finanziert.