Lidl weiter unter Druck von Globalisierungskritikern

Einkaufspolitik & Arbeitsbedingungen

Globalisierungskritiker von Attac, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), BanaFair und Weed erhöhen den öffentlichen Druck auf den Lebensmittel-Discounter Lidl. Die Organisationen verlangen "weitreichende Änderungen" bei Einkaufspolitik und den Arbeitsbedingungen des Konzerns. "An globalen sozialen Rechten" führt nach Auffassung der Verbände "kein Weg vorbei". "Sozial-, Preis- und Umweltdumping" führe in die Sackgasse. Lidl habe in einem Gespräch mit den Organisationen auf die Kritik reagiert. Lidl-Geschäftsführer Klaus Gehrig soll in den Gespräch angekündigt haben, die Aufnahme von Produkten aus fairem Handel und biologischem Anbau ins Sortiment "zu prüfen". Forderungen nach mehr Informationen über die Herkunft der Lidl-Produkte sowie nach besseren Rechten für die Angestellten soll er hingegen zurückwiesen haben, schreiben die Globalisierungskritiker in einer Stellungnahme.

Attac hatte im vergangenen August eine Kampagne gegen Lidl gestartet und seitdem in mehr als 50 Städten vor Filialen protestiert. "Die Geheimniskrämerei, die Lidl um die Herkunft der Produkte betreibt, verhindert bewusste Kaufentscheidungen", meinen die Globalisierungskritiker. Attac kritisiert das Motto "Geist ist geiler" und einen "Billig-Wahn der Discounter".

Die Organisationen begrüßen zwar, "dass sich Lidl überhaupt bewegt", halten die bisherigen Ankündigungen jedoch überwiegend "für Kosmetik". "Die Discounter sind mitverantwortlich für die miesen Arbeitsbedingungen auf den Bananenplantagen. Diese Verantwortung lässt sich nicht mit einigen wenigen fair gehandelten Bananen neben vielen Früchten aus Billig-Produktion beiseite schieben", meint Bettina Burkert von BanaFair. Notwendig sei eine veränderte Beschaffungspolitik für das ganze Sortiment.

Beim Thema Milchpreise habe sich Lidl zwar gesprächsbereit gezeigt, doch tatsächliche Veränderungen gebe es bisher keine, kritisierte Sonja Korspeter von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Als starker Marktteilnehmer sei Lidl mitverantwortlich dafür, dass Milch unter den Produktionskosten verkauft werde und immer mehr Höfe aufgeben müssten. Diese Einkaufspolitik könnten die Bauern nicht länger akzeptieren: "Wenn die Dumping-Politik der Molkereien und der Supermärkte weiterläuft wie bisher, sehen sich die Bauern gezwungen, den Hahn zuzudrehen bis faire Preise erreicht sind." Lidl habe die Möglichkeit diesen Milchstreik abzuwenden.

Die Organisationen wollen auch andere Handelskonzerne "auffordern", soziale Rechte zu achten. "Lidl sei "das Zugpferd der Discountierung", doch die "Hauptsache-billig-Strategie" setze sich zunehmend im gesamten Einzelhandel durch. Dies gehe auf Kosten der Beschäftigten hier und in den globalen Zulieferketten. Die aggressive Expansions- und Preispolitik führe zu einem verschärften Konzentrationsprozess im Einzelhandel und damit zu immer stärkerem Druck auf die Produzenten.