USA planen angeblich Atomwaffen-Einsatz gegen den Iran

"Exzellente Regierungskontakte"

Wie die "Tagesschau" unter Berufung auf die US-Zeitschrift "The New Yorker" berichtete, hat die US-Regierung mit der Detail-Planung eines Krieges gegen den Iran begonnen. Die Planungen sollen angeblich auch den Einsatz von Atomwaffen umfassen. Im Visier seien vor allem Nuklearanlagen, schreibe der Journalist Seymour Hersh, der sich auf einen Ex-Pentagon- Experten berufe. Dem Bericht des Magazins "New Yorker" zufolge laufen inzwischen konkrete, angeblich sogar "hektische" Planungen für Militärschläge gegen Ziele im Iran, auch mit nuklearen Bomben. Autor des Artikels sei der preisgekrönte Enthüllungsjournalist Seymour Hersh, der unter anderem als erster über den Folterskandal im Abu-Ghraib-Gefängnis von Bagdad berichtet habe. Er stehe im Ruf, exzellente Kontakte zu führenden Mitarbeitern der Regierung zu haben, berichtete die Tagesschau. Angesichts der exzellenten Kontakte stellt sich die Frage, ob der Bericht eine "Enthüllung" von tatsächlichen Planungen darstellt oder ob er möglicherweise im Interesse der US-Regierung liegt und über den Journalisten gezielt lanciert wurde.

Hershs Bericht zufolge sehe Bush den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad als "möglichen neuen Adolf Hitler", so werde Ahmadinedschad unter Bushs Mitarbeitern ganz offen bezeichnet.

Ziel des Präsidenten sei es, so Hersh unter Berufung auf einen Bush-Vertrauten, die iranische Regierung mit dauerhaften Bombenangriffen zu demütigen, einen Volksaufstand zu provozieren und damit einen Regimewechsel möglich zu machen. Erst vor kurzem habe Bushs Sicherheitsberater Stephen Hadley öffentlich verkündet, dass die USA sich einen präventiven militärischen Erstschlag als Option im weltweiten "Krieg gegen den Terror" vorbehalten wolle.

Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) haben am Wochenende mit Bestürzung auf den Bericht reagiert. "Wir verurteilen die Kriegspläne der USA, insbesondere den menschenverachtenden Einsatz von Atomwaffen. Wir fordern die deutsche Regierung und Politiker aller Parteien auf, einer deutschen Unterstützung eines Krieges gegen den Iran eine klare Absage zu erteilen", so die IPPNW-Vorsitzende Angelika Claußen.

Die atomkritische Organisation fordert die Bildung einer Langzeitkonferenz für Sicherheit und regionale Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen Osten, "die unter anderem das Ziel verfolgt, dort eine atomwaffenfreie Zone unter Einschluss von Israel zu erreichen".

Bereits 2003 habe eine IPPNW-Studie die Behauptung von US-Militärs widerlegt, dass eine mit geringer Sprengkraft bestückte bunkerbrechende Atomwaffe "minimalen Kollateralschaden" erzeuge. "Eine Ein-Kilo-Tonnen-Bombe müsste mindestens einhundert Meter in die Erde eindringen, um die Radioaktivität im Untergrund eingeschlossen zu halten", schreibt die Organisation. Der sogenannte Bunkerbuster B-61-11 dringe aus einer Höhe von etwa 13.000 Metern nur bis zu sieben Meter in die Erde ein. Die Explosion einer solchen Waffe würde durch ihren Fallout radioaktiven Staub, Trümmer und anderes radioaktives Material über viele Quadratkilometer verteilen. "Weite Teile des Irans würden radioaktiv verseucht, unzählige Menschenleben gefordert."

Die Organisation unterstützt den russischen Vorschlag zur Lösung des Konflikts. "Obwohl wir die außenpolitische Haltung der gegenwärtigen iranischen Regierung gegenüber Israel für inakzeptabel halten, hat der Iran ein völkerrechtlich verbrieftes Recht auf Urananreicherung (NPT)." Der russische Vorschlag sichere dem Iran dieses Recht prinzipiell zu, unterbinde aber gleichzeitig die industrielle Urananreicherung auf iranischem Boden und erfülle so die zentrale Forderung der EU und der USA. "Im Interesse der Kriegsvermeidung halten wir die Akzeptanz des russischen Vorschlags für notwendig."

Dessen ungeachtet lehnt die IPPNW die "friedliche" Nutzung der Atomkernspaltung ebenso wie die militärische ab. Ein Krieg gegen den Iran werde auch von der Mehrheit der US-Amerikaner abgelehnt. Die "unklare Haltung der Bundesregierung" und anderer europäischer Regierungen ermutige jedoch die USA, die Eskalation zuzuspitzen und Gewalt als Mittel zur Lösung des Konflikts einzusetzen.