Gabriel fordert "zukunftsfähigen Energiemix" unabhängig von Öl, Gas und Uran

"Prinzipielle Sicherheitsrisiken"

Zum 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fordern Umweltschützer einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bezeichnete unterdessen den Atomunfall vom 26. April 1986 als "tragisches Symbol der Energiewende". Tschernobyl habe der Welt demonstriert, "dass die Atomenergie mit prinzipiellen Sicherheitsrisiken verbunden" sei, sagte der SPD-Politiker am Montag in Berlin. Nach Ansicht Gabriels steht die Gesellschaft vor einer neuen energiepolitischen Herausforderung, der Bekämpfung des weltweiten Klimawandels. Gabriel betonte: "Atomkraft wird uns hierbei nicht helfen. Sie ist keine Zukunftstechnologie, denn sie verhindert Innovation." Statt dessen forderte er einen "zukunftsfähigen Energiemix", weitgehend unabhängig von fossilen und nuklearen Energieträgern wie Öl, Gas und Uran.

Die FDP warnte davor, sich bei der Energieversorgung von ausländischen Lieferanten abhängig zu machen. Dies hätten die "fortgesetzten Drohungen des Gasprom-Konzern" gezeigt, sagte die FDP-Energieexpertin Gudrun Knopp. Ein Ausstieg aus der Kernenergie gefährde die Energieversorgung in Deutschland.

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW kritisierte unterdessen eine "verharmlosende Studie" der Atomenergiebehörde IAEO, die die Zahl der Tschernobyl-Opfer als viel zu niedrig ansetze. Angesichts eines drohenden atomaren Wettrüstens im Nahen und Mittleren Osten forderte die Organisation, eine atomwaffenfreie Zone in der Region einzurichten. Außerdem verlangten die Ärzte den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland und weltweit.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) demonstrierte vor den Zentralen der vier großen deutschen Stromkonzerne und forderte eine Abschaltung der Atomkraftwerke. Eine von der Umweltorganisation in Auftrag gegebene Studie habe ergeben, dass 62 Prozent der Deutschen diese Forderung teilten, während nur 20 Prozent für längere Laufzeiten plädierten.