Auch US-Geheimdienst NSA soll deutsche Journalisten ausspähen

Stasi-Methoden überall?

Neben dem deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) beobachtet angeblich auch der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) deutsche Journalisten. Das sagten Mitarbeiter der NSA der Nachrichtenagentur ddp. Nach diesen Angaben führt die am 21. April 2001 gegründete NSA-Unterabteilung "Signals Intelligence Directorate" (SID) heute auch eine Datei mit dem Codenamen "First Fruits", in der die Namen kritischer Publizisten sowie ihre Artikel und Äußerungen gespeichert sind.

Neben amerikanischen Journalisten - unter ihnen etwa Seymour Hersh ("New Yorker"), James Risen ("New York Times"), Vernon Loeb ("Washington Post"), Bill Gertz ("Washington Times") und James Bamford (Publizist) - seien dort auch die deutschen Journalisten Hans Leyendecker ("Süddeutsche Zeitung"), Mitarbeiter des "Spiegel" sowie der französische Autor Guillome Dasquier gespeichert.

Um amerikanische Bürgerrechte und Datenschutzbestimmungen zu umgehen, würden die Namen in der "First Fruits"-Datei geschwärzt, seien aber von Personen der höchsten Sicherheitsstufe über einen Filter wieder im Klartext abrufbar, hieß es.

Befreundete Nachrichtendienste, etwa aus Großbritannien und Israel, hätten beschränkten Zugriff auf diese Datei, nicht jedoch der Bundesnachrichtendienst (BND), behaupteten die Mitarbeiter der NSA. Die "First Fruits"-Datei der NSA sei im Jahre 2001 nach den Terroranschlägen von New York von General Michael Hayden in Auftrag gegeben worden. Hayden war von 1999 bis 2005 Leiter der NSA.

Im Mai des vergangenen Jahres waren in Internet-Foren E-Mails, die zwischen Journalisten ausgetauscht worden waren, sowie Abschriften der Mitschnitte von Telefongesprächen veröffentlicht worden, die aus dieser Datei stammen sollen. Im Februar 2006 habe US-Präsident George W. Bush angeordnet, die Datei zu erweitern.