Ex-Unifil-Sprecher skeptisch über neue Truppe im Libanon

Interventionstruppe oder Besatzungstruppe?

Der langjährige Sprecher der UN-Truppen in Libanon, Timur Göksel, hält die Entsendung von bis zu 15.000 zusätzlichen Soldaten für "unrealistisch" und "unnötig". 2000 zusätzliche Soldaten zu den knapp 2000 bereits in Südlibanon stationierten seien "genug", sagte Göksel der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Eine UN-Truppe könne einen Waffenstillstand überwachen, aber keinen Frieden schaffen. Es sei undenkbar, dass internationale Soldaten die islamistische Hisbollah-Milizen entwaffneten, sagte Göksel, der von 1979 bis 2003 für Unifil arbeitete. Man müsse auch aufpassen, dass eine Interventionstruppe nicht wie eine Besatzungstruppe wahrgenommen werde.

Zudem sei eine große Truppe, die sich aus zu vielen Kontingenten verschiedener kleiner Länder zusammensetze, nicht zu "managen".

Als sinnvoll sah Göksel hingegen eine Unterstützung bei der Ausbildung der libanesischen Polizei und Grenzpolizei an. Auch bei der Entschärfung der Tausenden von Streubomben in Südlibanon bräuchten die Libanesen Unterstützung. Nach Angaben von Human Rights Watch sind etwa 40 Prozent der Streubomben nicht explodiert und gefährden die Bevölkerung.