Greenpeace protestiert gegen gentechnisch veränderten Mais

Gentechnik

Greenpeace-Aktivisten ernteten am Mittwoch genmanipulierten Mais auf einem Acker in Wölsickendorf und deponierten ihn in 30 Mülltonnen sowie drei überdimensionalen Landliebe-Milchflaschen und Campina-Joghurtbechern. Die "Agrargenossenschaft Höhe e.G." aus Wölsickendorf, die den Gen-Mais anbaut, liefere ihre Milch an den Molkereikonzern Campina/Landliebe. Daher werde Greenpeace die Mülltonnen mit Gen-Mais am Donnerstag bei der Campina-Zentrale in Heilbronn abgeben. Die Umweltschützer fordern den Konzern auf, Anbau und Verfütterung von Gen-Mais bei seinen Vertragslandwirten zu verbieten. Mais werde in Deutschland vorwiegend als Futter für Milchkühe verwendet. Greenpeace kritisiert, dass die Sicherheit der Gen-Pflanzen für Mensch und Umwelt nicht geklärt sei. Das zeigten auch Fütterungsversuche mit dem Gen-Mais MON810 an Ratten, die am Mittwoch die Europafraktion Bündnis 90/Die Grünen veröffentlichte.

Die vorgelegten Ergebnisse der Fütterungsversuche von Monsanto mit Ratten würfen neue Zweifel an der Sicherheit des Gen-Maises auf. Die Tiere zeigten nach der dreimonatigen Fütterung mit MON810 unter anderem einen verringerten Eiweißgehalt im Blut. Um die Befunde abzuschwächen, bediente sich Monsanto statistischer Tricks. Wissenschaftler kritisierten diese Methoden bereits bei der Risikobewertung des Monsanto-Maises MON863. Greenpeace fordert eine umfassende Neubewertung der heute vorgelegten Studien durch unabhängige Wissenschaftler.

Bereits im letzten Jahr hätten Campina/Landliebe-Lieferanten Gen-Mais angebaut, der an Milchkühe verfüttert worden sei. Im April 2006 entdeckten Greenpeace-Mitarbeiter eigenen Angaben zufolge Gen-Mais in den Futtertrögen eines Campina-Lieferanten aus Neutrebbin. "Für Landliebe-Produkte werden Gen-Mais und Gen-Soja angebaut", sagt Alexander Hissting, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Die große Mehrheit der Verbraucher lehnt Gen-Food jedoch weiterhin ab. Gen-Mais ist eine Gefahr für die Umwelt und die gentechnikfreie Landwirtschaft. Er darf nicht verfüttert werden, Campina/Landliebe muss ihn entsorgen." Die Wünsche der Verbraucher seien Campina/Landliebe offensichtlich gleichgültig. Bislang habe der Molkereikonzern nichts unternommen, um "die unsichere Gentechnik" von seinen Produkten fernzuhalten.

Im Juli hatte Greenpeace die Vorversion einer Literaturstudie zur aktuellen Risikoforschung an Gen-Mais vorgelegt. Der Gen-Mais produziere demnach ein Insektengift, das nicht nur den schädlichen Maiszünsler, sondern auch andere Insekten und Bodenorganismen bedrohe. Monsanto vertritt jedoch die Auffassung, von dem Gen-Produkt gehe keinerlei Risiko für das Ökosystem aus und verweist auf Stellungnahmen von zwei deutschen Wissenschaftlern. Greenpeace verweist hingegen auf Ergebnisse verschiedener Forschungsteams im In- und Ausland, wonach es für Bodenwürmer, Bodeninsekten, Schmetterlingslarven und Bienen durch den Gen-Mais zu Gefährdungen komme.