Windkraft-Vorstand Vahrenholt und seine Kontrolleure aus der Atomwirtschaft

Moderne politische Kommunikation

"Die Energiewirtschaft macht immer stärker Front gegen den geplanten Ausstieg aus der Kernenergie. Auch der Chef des Windkraft-Unternehmens RePower, Fritz Vahrenholt, meldete am Donnerstag Bedenken an." So lauten derzeit Berichte von Agenturen und Medien. Ein solcher Ausstieg sei ein "typisch deutscher Kurzschluss", sagte Vahrenholt auf einem Energie-Symposium des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin. Angesichts "der beschränkten Möglichkeiten von regenerativen Energien" - so der Windkraft-Vorstand - und der anhaltenden Umweltverschmutzung von Kohlekraftwerken werde die Kernenergie als "Brücke in die Zukunft" gebraucht. Was der Öffentlichkeit meist verschwiegen wird: Vahrenholt wird im Aufsichtsrat der REpower Systems AG unter anderem beaufsichtigt von Bertrand Durrande. Durrande ist nach Angaben des Unternehmens Manager der AREVA-Tochter Framatome ANP und somit Manager des weltweit führenden Atomkraftwerksherstellers. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens baut in Finnland den so genannten "Europäischen Druckwasser-Reaktor (EPR)". Weitere Aufsichtsräte von RePower sind Manager der deutschen Atomkraftwerksbetreiber RWE und Vattenfall.

Nötig sei ein Nachdenken über die Weiterentwicklung der Kerntechnik, was aber nicht Atomenergie, sondern Kernfusion bedeute, betonte Vahrenholt auf der Veranstaltung beim Bundesnachrichtendienst. Denn auch Erdgas als Ersatz für wegfallende Atomenergie sei zu kurzfristig gedacht, da ein massenweiser Einsatz dieser Energiequelle die Preise nach oben treiben würde. Vor diesem Hintergrund appellierte Vahrenholt an die große Koalition, in die politische Debatte "Rationalität zurückkehren" zu lassen.

Atomkonzern AREVA ist Hauptaktionär des Windkraft-Unternehmens

Das Windkraft-Unternehmen REpower Systems AG hatte am 5. Januar 2006 in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass die französische AREVA-Gruppe einen Anteil von 20,9 Prozent am Grundkapital von REpower halte. Inzwischen hält der französische Atomkonzern offenbar fast 30 Prozent der Aktien.

Ein weiteres Aufsichtsratsmitglied von REpower, Rolf Bierhoff, ist nach Angaben des Unternehmens Mitglied des Vorstands der RWE Net AG. RWE betreibt die Atomkrafwterke Biblis, Gundremmingen und Lingen.

"Windkraft-Manager Vahrenholt" wird im Aufsichtsrat auch von, Hans-Joachim Reh beaufsichtigt. Reh ist Mitglied des Aufsichtsrates der Vattenfall Europe Hamburg AG sowie Mitglied des Vorstandsrates des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). Auch Vattenfall gehört zu Deutschlands großen Atomkraftwerksbetreibern in Deutschland.

Fritz Vahrenholt - Stationen beim Atomkraftwerkshersteller HEW und beim Ölmulti Shell

Professor Dr. Fritz Vahrenholt selbst wurde am 8. Mai 1949 in Gelsenkirchen-Buer geboren und ist studierter Chemiker. Nach der Promotion an der Westfälischen Universität zu Münster und einem Forschungsaufenthalt am Max-Planck Institut für Kohlenstoff-Forschung in Mühlheim folgten weitere berufliche Stationen beim Umweltbundesamt in Berlin und im Hessischen Umweltministerium. Von 1984 bis 1990 war Vahrenholt Staatsrat in der Hamburgischen Umweltbehörde und in den Jahren 1990/91 Chef der Senatskanzlei.

Von 1991 bis 1997 übte er das Amt des Senators und Präses der Umweltbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den Vorsitz des Aufsichtsrats der HEW aus.

1998 trat er in den Vorstand der Deutsche Shell AG ein und war dort unter anderem zuständig für das Chemiegeschäft und den neugegründeten Bereich Erneuerbare Energien. 2000 wechselte Vahrenholt in den Aufsichtsrat von Shell. Seit seit April 2001 ist Vahrenholt Vorstandsvorsitzender (CEO) der REpower Systems AG.

Darüber hinaus ist er Mitglied im Aufsichtsrat der Thyssen Krupp Industries AG, der Norddeutschen Affinerie AG, der ErSol Solar Energy AG (Erfurt) sowie Aufsichtsratvorsitzender der Verbio AG, Mitglied des Sustainable Panels des französischen Energieversorgers EDF, Mitglied der Senatskommission der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, zuständig für den Bereich Energie. Ferner ist er Mitglied im Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung.

"Verspargelung der Landschaft" - Windkraftanlagen und Strommasten

Umweltschützer werfen der Atomindustrie schon seit längerem vor, über Bande zu spielen. So soll auch die anhaltende Kritik an der "Landschaftsverschandelung" beziehungsweise "Verspargelung der Landschaft" durch Windkraftanlagen eine von der Atomindustrie gesteuerte Kampagne sein, behaupten Atomkraftgegner.

Atomkraftgegner Hermann Scheer, Präsident der Europäischen Solarenergie-Vereinigung EUROSOLAR, hat am Donnerstag vorgeschlagen, die Landschaft weiter mit Windkraftanlagen in Hessen - entlang von Autobahnen und ICE-Trassen - zu "verspargeln" und damit die Stromproduktion aus dem Atomkraftwerk Biblis überflüssig zu machen. Er schlug im Gegenzug vor, "Tausende Strommasten" abzubauen, die nach der Stilllegung von Biblis überflüssig wären. Scheer warb nicht zuletzt mit "erheblichen Landschaftsgewinnen" für dieses Konzept.