EU-Kommission billigt neues Atomkraftwerk in Frankreich

Siemens/AREVA

Die EU-Kommission hat in einer Stellungnahme gegenüber der französischen Regierung das Investitionsvorhaben für den Bau eines Atomkraftwerks am Standort Flamanville gebilligt. Geplant ist dort ein so genannter Europäischer Druckwasser-Reaktor (EPR) mit einer elektrischen Leistung von 1630 Megawatt aus dem Hause Framatome ANP, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der deutschen Siemens AG und der französischen AREVA. Hintergrund der Billigung des Vorhabens durch die EU-Kommission ist Artikel 41 des Euratom-Vertrages, wonach Personen und Unternehmen, die Industriezweigen mit enger Verbindung zur Nuklearwirtschaft angehören, der Kommission Investitionsvorhaben für neue Anlagen sowie für Ersatzanlagen oder Umstellungen anzuzeigen haben.

Der weiterentwickelte so genannte Europäische Druckwasser-Reaktor EPR wurde in den 1990er Jahren von Siemens und Framatome entwickelt. Die Entwicklungskosten übernahmen offenbar die französische Betreibergesellschaft EDF und deutsche Atomkraftwerksbetreiber wie RWE und E.On, die die Entwicklungskosten wiederum an ihre Stromkunden weiterreichen konnten.

Mit dem EPR-Projekt soll laut EU-Kommission "das höchstmögliche Niveau an nuklearer Sicherheit, Umweltschutz und wirtschaftlicher Leistung erreicht werden". Der EPR verbrauche 17 Prozent weniger Brennstoff als die anderen derzeit in Frankreich betriebenen Reaktortypen. Seine Betriebsdauer werde voraussichtlich 60 Jahre betragen.

In Finnland wird derzeit der Prototyp des Europäischen Druckwasser-Reaktors gebaut. Medienberichten vom Februar zufolge wurde bei diesem Neubau am finnischen Standort Olkiluoto eine minderwertige Betonqualität verbaut. Laut Landtman beruhen die Qualitätsprobleme auf einer fehlerhaften Betonmischung, die den Beton zu porös gemacht habe, schreibt die tageszeitung. Dieser könne nun zu viel Feuchtigkeit an sich binden. Dies sei der Grund, warum die Betonierungsarbeiten für das Atomkraftwerk Mitte Januar außerplanmäßig abgebrochen worden seien, wird Projektchef Martin Landtman zitiert. Auch ohne diese Probleme hat der Bau einem Bericht der "tageszeitung" (taz) zufolge schon bisher ein halbes Jahr länger als ursprünglich geplant.

Atomkraftgegner kritisieren weiterhin den Einsatz neuartiger digitaler Leittechnik beim Europäischen Druckwasser-Reaktor. Diese habe in einer deutschen Anlage schon zur Teil-Blockade des Reaktorschnellabschaltsystems - des zentralen Sicherheitssystems - geführt.