Bund kritisiert Einfluss von Daim­­lerChrysler auf EU-Energieminister

Spritverbrauch

Der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutschland (BUND) hat die Modellpolitik des Daim­­lerChrysler-Konzerns kritisiert. Der Spritverbrauch von Neuwagen läge weit über den versprochenen Mengen. Der BUND wirft dem Autokonzern auch vor, gemeinsam mit den anderen Autoproduzenten auf EU-Ebene gegen gesetzliche Spritverbrauchslimits vorzugehen. Die Autolob­by versuche zu verhindern, dass die EU-Energieminister kommende Woche einen ehrgeizigen Energie­sparplan verabschieden. Ursprünglich sei darin vorgesehen gewesen, für 2012 bei Neuwagen eine durch­schnitt­liche Emissionsobergrenze von 120 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer festzuschreiben. Aktuell verkauft Mercedes laut BUND Autos, die 185 Gramm emittieren.

Das Unternehmen kommt nach Auffassung des Umweltverbandes seiner Verantwortung zum Klima­­­schutz nicht nach und verfehle das Ziel, die schädlichen CO2-Emissionen bei Neuwa­gen ent­schei­dend zu redu­zieren. Die derzeit verkauften Mercedes-Pkw emittierten im Durchschnitt 185 Gramm CO2 pro Kilome­ter. 1998 habe Mercedes versprochen, diesen Wert von damals rund 220 Gramm bis 2008 auf 140 Gramm zu senken. In den zurückliegenden acht Jahren sei nur rund die Hälfte dieser Selbstver­pflich­­tung erfüllt worden. Offensichtlich sei, dass die verbleibenden zwei Jahre nicht genügten, um die andere Hälfte zu erreichen.

Aus Protest gegen die Klimapolitik deutscher Autohersteller veröffentlicht der BUND in der Tagespresse eine verfremdete Merce­des-An­zei­ge mit der Aussage, das Unternehmen ruiniere das Klima. Abgebildet wird ein Modell der neuen R-Klasse in einer Wüstenlandschaft.

Bereits vor einer Woche ­hatte der BUND - nach eigener Darstellung "BMW als Klima­sün­der geoutet". In der Münchener Innenstadt war ein verändertes Werbeplakat des neuen 3er BMW gezeigt worden, auf dem das Auto in einer von den Alpen abgehenden Schlamm­­­­­lawine versinkt. Eine ähnliche Aktion gegen VW kündigte der BUND für kommende Woche in Wolfsburg an.

Um die Branche zum Umdenken zu bewegen, startete der Umweltver­band einen öffentlichen Wettbewerb zur Verfremdung der Anzeigen deutscher Automobilkonzerne. "Unser Wettbe­werb soll den Schein der Auto­wer­bung von einer heilen Welt entlarven. Dazu rufen wir Agen­turen auf und alle, die sich kreativ für den Klimaschutz engagieren wollen", so Norbert Franck, Presse­chef des BUND. "Wenn die Autokonzerne ihre Verantwortung für den Klimawandel ignorieren und stur weiter Spritfresser bewerben, wenn sie also nicht halten, was sie versprechen, dann muss ihnen Dampf gemacht werden."

Im Internet richtete der BUND einen "Mailomaten" ein, mit dem Protest-E-Mails an die Vor­stands­chefs von DaimlerChrysler, BMW und VW geschickt werden können. Hintergrund der Kampagne ist eine Werbe-Analyse des BUND. Sie ergab, dass der Durch­schnittsverbrauch der am häufigsten bewor­be­nen Pkw derzeit bei neun Litern auf 100 Kilometer liegt. Das entspricht 215 Gramm CO2 pro Kilometer.