Offizielle Arbeitslosenquote sinkt erstmals seit vier Jahren unter zehn Prozent

Arbeit

Die Bundesanstalt für Arbeit teilte am Freitag mit, dass die Arbeitslosenquote um 0,3 Punkte auf 9,8 Prozent (Westdeutschland 8,2; Ostdeutschland 15,7 Prozent) gesunken sei. Im Oktober waren 153.000 weniger Menschen als beschäftigungslos gemeldet als einen Monat zuvor. Einen solch starken Rückgang der Arbeitslosigkeit in einem Oktober habe es seit der Wiedervereinigung nicht mehr gegeben. Es sei Bewegung in den Arbeitsmarkt gekommen, die es weiter zu beflügeln gelte, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das erfordere eine konsolidierte Haushaltspolitik. Die Bundeskanzlerin nutzte die positiven Zahlen für weitere Forderungen: "Wenn wir für den Arbeitsmarkt etwas Gutes tun wollen, dann heißt das: Senkung der Lohnzusatzkosten, wo immer das möglich ist", meint Merkel.

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering wertete die Zahlen als Durchbruch am Arbeitsmarkt: "Wir haben Grund uns zu freuen." Insgesamt waren 4,085 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, gegenüber 4,238 Millionen im September 2006. Im Vergleich zum Vorjahr sank die offizielle Zahl der Arbeitslosen um 471.000 Personen. In den alten Bundesländern habe sich die registrierte Arbeitslosigkeit um 96.000 auf 2,74 Millionen verringert. Im Vergleich zum Vorjahr sank sie um 360.000 oder zwölf Prozent.

In Ostdeutschland reduzierte sich die Zahl der Arbeitslosen um 56.000 auf 1,35 Millionen. Das sei ein Rückgang gegenüber Oktober 2005 um 111.000 oder acht Prozent.

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte, die Herbstbelebung habe den Arbeitsmarkt im Oktober weiter angekurbelt. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei mehr als doppelt so groß wie im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Zudem wirkten sich die bessere Konjunktur und das gute Wetter aus.

Beschäftigungswachstum ermittelt

Nach der jüngsten Hochrechnung gebe es einen Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 258.000 auf 26,56 Millionen. In West- und Ostdeutschland habe die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung jeweils um ein Prozent zugenommen. Nach den aktuellen Daten sei die Beschäftigung in allen Bundesländern gestiegen, am stärksten in Hamburg, Berlin und Bayern. Außerdem hat sich abermals die Zahl der "Selbstständigen" erhöht.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist auch die Zahl der Erwerbstätigen im September 2006 saisonbereinigt um 14.000 auf nunmehr 39,056 Millionen gestiegen. Das seien 334.000 mehr als im September 2005. Die Erwerbstätigenquote sei gegenüber dem Vormonat um fast einen ganzen Prozentpunkt von 68,9 auf 69,8 Prozent gestiegen. Insgesamt wurden im Oktober 825.000 offene Stellen gemeldet, 200.000 mehr als vor einem Jahr.

Zwar habe sich die Zahl der Arbeitslosengeld I-Empfänger mehr verringert als die der Arbeitslosengeld II-Empfänger (Verringerung um 20 Prozent / 4 Prozent). Die positive Arbeitsmarktentwicklung erfasse aber allmählich auch die Arbeitslosengeld II-Bezieher. Besonders erfreulich sei auch der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit. Diese ist den Angaben zufolge im Jahresvergleich überproportional stark um 18 Prozent (-101.000 jugendliche Arbeitslose) gesunken.

Die Kriterien der offziellen Arbeitslosenstatistik wurden im Laufe der Jahre immer wieder geändert, so dass diese als nur bedingt aussagefähig gilt für die tatsächliche Höhe der Arbeitslosigkeit, das Ausmaß an Menschen in Fortbildungsmaßnahmen und für Veränderungen in der Art der Beschäftigungsverhältnisse ("Jobs").

Aussagekraft der Statistik bezweifelt

Die Arbeitslosenzahl ist laut Bundesagentur für Arbeit (BA) im Januar weniger stark gestiegen als üblich. Im Januar stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland demnach um 253.000 auf 3.659.000. Das waren 625.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,6 Punkte auf 8,7 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 10,2 Prozent gelegen. Die Linksfraktion im Bundestag widersprach dem nicht, sprach allerdings von "geschönten Daten". "Ein-Euro-Jobber und Arbeitslose in Weiterbildungsmaßnahmen tauchen in der Statistik nicht mehr auf", kritisierte die Bundestagsabgeordnete Kornelia Möller und sprach von "Statistikspielchen".

"Nach dem Willen der Koalition sollen in Zukunft auch noch erwerbsfähige Hilfsbedürftige, die über 58 Jahre alt sind, seit 12 Monaten Arbeitslosengeld II beziehen und keine Beschäftigung angeboten bekommen, nicht mehr als erwerbslos gelten und ab 63 Jahren sogar zwangsverrentet werden", so Möller. "Auf diese Weise verfälscht die schwarz-rote Regierung die tatsächlichen Verhältnisse und wird sich weiterhin Erfolge zuschreiben, die in Wahrheit nur Zahlenspielereien auf dem Rücken der Betroffenen sind."

Auch die oft zitierten Meldungen, dass mehr ältere Erwerbslose wieder in Arbeit gebracht worden seien, erwiesen sich bei näherem Hinsehen als "falsch interpretierte Zahlen". So weise der DGB darauf hin, dass der leichte Anstieg bei den Beschäftigungsverhältnissen Älterer nicht bedeutee, dass mehr Ältere in Arbeit gekommen seien. Vielmehr sei er darauf zurückzuführen, dass geburtenstarke Jahrgänge, die bereits Arbeit haben, älter würden.

"Tatsache bleibt, dass durchschnittlich nur 30 Prozent der 60 bis 64-Jährigen einer Erwerbsarbeit nachgehen", so Möller. "All diese Schönfärbereien und Verschleierungen sind nicht akzeptabel. Nötig sind vielmehr echte Verbesserungen für erwerbslose Menschen, mehr Rechte für Arbeitnehmer und ein Mindestlohn von 8 Euro 44 plus x."

Am 01. Feb. 2008