Schavan sieht keinen Zusammenhang von Erstsemesterzahlen und Studiengebühren

Zuwächse in Bayern und Hamburg

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht "keinen direkten Zusammenhang" zwischen den rückläufigen Erstsemesterzahlen und den neuen Studiengebühren. Dagegen spreche, dass "etwa Bayern und Hamburg Zuwächse verzeichnen, obwohl sie Gebühren einführen", sagte Schavan dem "Handelsblatt". Der neue Sprecher der Unions-Wissenschaftsminister, Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos), sagte hingegen: "Der Zusammenhang mit den Gebühren ist nicht einfach von der Hand zu weisen, aber auch nicht der einzige Beweggrund, nicht zu studieren." Deshalb sei das von einer CDU/FDP-Koalition regierte Sachsen-Anhalt wie die anderen neuen Länder bei der Entscheidung über Gebühren "auch so zögerlich".

Ob ein Land Studiengebühren habe oder nicht, es dürfe kein Abiturient aus rein wirtschaftlichen Gründen von einem Studium abgeschreckt werden.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, man solle nicht nur auf Studienanfänger setzen. "Noch wichtiger ist es, die Absolventenquoten durch bessere Lehre und intensivere Betreuung deutlich zu steigern", sagte er. Abbrecherquoten von rund 40 Prozent wie im Fach Informatik seien nicht akzeptabel. Hundt plädierte dafür, künftig mehr Frauen für technische Fächer zu werben.

Gebühren-Boykott in Freiburg

Die Studenten-Vollversammlung an der Universität Freiburg hatte Anfang November einen Boykott der ab 2007 fälligen Studiengebühren beschlossen. Wie die Studentenvertretung der Hochschule am Donnerstag mitteilte, soll damit "die letzte Chance" ergriffen werden, die Gebühren von 500 Euro pro Semester zu verhindern. Der Beschluss sei bei insgesamt rund 700 Anwesenden "mit überwältigender Mehrheit" getroffen worden.

Der Beschluss sieht den Angaben zufolge die Einrichtung eines Treuhandkontos vor, auf das die Studenten das Geld überweisen. Nutzen mindestens 5500 Studenten dieses Konto, was etwa 25 Prozent der Studentenschaft entspricht, sollen die Gelder zurückbehalten und Verhandlungen mit der Universität sowie der Landesregierung aufgenommen werden. Dabei solle mindestens erreicht werden, dass die die Boykott-Teilnehmer nicht exmatrikuliert werden. Dies hatte die Universitätsleitung angedroht.

Der baden-württembergische Landtag hatte Ende 2005 mit den Stimmen von CDU und FDP ein Gesetz zur Einführung von Studiengebühren beschlossen. Demnach werden ab dem Sommersemester 2007 an allen staatlichen Hochschulen und an den Berufsakademien des Landes 500 Euro pro Semester fällig.