Vorbereitungen für bevorstehenden Atomtransport nach Gorleben

Angeblich gewalttätige Polizeibeamte

Wer dieser Tage im Wendland unterwegs ist, trifft auf den Straßen rund um Dannenberg vermehrt auf Polizeiwagen. In den kommenden Tagen beziehen erneut tausende Einsatzkräfte aus verschiedenen Bundesländern Station in dem beschaulichen Landstrich zwischen Elbe und Jeetzel. Parallel dazu bereiten sich Atomkraftgegner auf Proteste gegen den am nächsten Wochenende erwarteten Castortransport ins niedersächsische Zwischenlager in Gorleben vor. Erneut sollen zwölf Atommüllbehälter aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins Wendland gebracht werden. In dem unweit von den Schächten des Gorlebener Salzstock gelegenen Zwischenlager stehen bereits fünf Behälter mit abgebrannten Brennelementen und 63 Behälter mit Glaskokillen.

Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften will die Polizei die Beförderung der strahlenden Fracht per Bahn und Tieflader sicherstellen. Die Zahl der eingesetzten Kräfte werde ungefähr auf dem Niveau des vergangenen Jahres liegen, kündigt Lüneburgs Polizeipräsident Friedrich Niehörster an. Beim vorangegangenen Transport im November 2005 sicherten rund 7500 Polizisten allein das letzte Teilstück, die Straßenstrecke von Dannenberg nach Gorleben.

Niehörster rechnet erneut mit Auseinandersetzungen. "Wir gehen davon aus, dass auch dieses Jahr teilweise aggressiv gegen die Polizei vorgegangen werden wird", sagt er. Allerdings gehe er von einem "größtenteils friedlichen Protest" aus.

Probleme hat die Polizei offenbar mit der Veröffentlichung von Plakaten über angeblich gewalttätige Polizeibeamte. Darauf seien die Gesichter von drei Beamten eindeutig zu erkennen. "Es scheint so, als ob hier ein Feindbild aufgebaut und eine Hetzjagd auf Polizisten veranlasst werden soll", sagt Niehörster.

Die Kritik der Atomkraftgegner in der Region richtet sich in erster Linie gegen die Atomindustrie und gegen die Politik. "Im Kern haben wir doch keinen Konflikt mit den zu erwartenden 16.000 Polizeibeamten", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), Francis Althoff. Die Menschen im Wendland fühlten sich im Stich gelassen von der Bundesregierung. "Die verantwortlichen Politiker kneifen und lassen die Transporte nach Gorleben stattdessen lieber durchknüppeln", sagt der Sprecher.

Tatenlos wollen die Menschen im Wendland die Transporte aber nicht passieren lassen. Sie ließen sich trotz neuerlicher Allgemeinverfügung mit Versammlungsverbotszonen entlang der Transportstrecke von Lüneburg bis Gorleben nicht entmutigen, sagt Althoff. Dieses Jahr seien die Castor-Gegner jedoch schneller gewesen als der Polizeiapparat und hätten bereits im Namen der "Republik Freies Wendland" in einer vierseitigen Zeitungsanzeige ein Versammlungsverbot für Polizei und Atomindustrie mit ausführlicher Gefahrenprognose erteilt.

Die "Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür" wollen die Atomkraftgegner auch am kommenden Wochenende verteilen. Während des Transports wollen die Menschen ihrem Unmut mit zahlreichen Aktionen Luft verschaffen. Unter anderem stehen Kundgebungen, Musik- und Kunstaktionen, Laternenumzüge und auch "Stuhlproben" auf bequemen Sitzgelegenheiten vor dem Dannenberger Verladekran auf dem Programm.

Nach Informationen der Bürgerinitiative soll der Transport am Freitagabend vom französischen Verladebahnhof Valogne starten. Die strahlende Fracht könnte demnach bereits am kommenden Sonntag das Wendland erreichen.

Die Kampagne X-tausendmal quer kündigte in Kooperation mit der wendländischen Aktionsgruppe WiderSetzen eine große gewaltfreie Sitzblockade auf der Straße vor dem Castor-Verladekran in Dannenberg an.