NATO will neues "Luftgestütztes Bodenüberwachungssystem" beschaffen

Milliardengeschäft für EADS

Die DaimlerChrysler-Beteiligungsgesellschaft EADS darf auf ein Milliardengeschäft hoffen. Die NATO will auf dem Gipfeltreffen Ende November in der lettischen Hauptstadt Riga Presseangaben zufolge ein milliardenschweres Aufklärungsprogramm beschließen. Mit dem "Luftgestützten Nato-Bodenüberwachungssystem" (NATO Alliance Ground Surveillance - AGS) sollen bemannte und unbemannte Flugzeuge feindliche Bewegungen am Boden aufspüren und auswerten. Dies berichtet die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf NATO-Kreise in Brüssel. Die Entwicklungs- und Beschaffungskosten für AGS werden auf 3,3 Milliarden Euro geschätzt.

Vorgesehen ist die Anschaffung von vier Airbussen des Typs A321. Hinzu kommen vier unbemannte Maschinen vom Typ Global Hawk sowie elf Bodenstationen und ein völlig neues Radar. Die Bundesregierung muss zunächst für die Entwicklung des Systems 185 Millionen Euro bereitstellen.

Der deutsche Anteil am Gesamtpreis des von einem Industriekonsortium aus Northrop Grumman und EADS angebotenen AGS werde sich vermutlich auf 660 Millionen Euro belaufen, schreibt das Blatt.

In Brüsseler Nato-Stäben werde jedoch Kritik an dem Vorhaben laut. Bei AGS werde "das Rad neu erfunden", heißt es. Denn das Radar, das jetzt neu entwickelt werde, gebe es längst. Ein Konsortium von Raytheon und BAE Systems hätte eine Lösung mit einem vorhandenen Raytheon-Radar angeboten. Die Gesamtkosten hätten sich auf 1,9 Milliarden Euro belaufen und somit 1,4 Milliarden unter dem AGS-Angebot gelegen. Für Deutschland wäre das Projekt 280 Millionen Euro billiger geworden. "Doch AGS ist im Bündnis zum Dogma erklärt worden", so ein Nato-Experte.

Zweifel am Sinn "des Schnüffelprojekts" kämen hinzu. AGS sei ursprünglich konzipiert worden, um Panzerverbände des Ostblocks aus der Luft erkennen zu können, während Awacs für die feindlichen Flugzeuge zuständig gewesen sei. Heutige asymmetrische Bedrohungen seien mit Luftaufklärung kaum noch auszumachen, wie die israelische Armee beim Einmarsch in den Südlibanon habe feststellen müssen.