Hoch angereichertes Uran soll nach Russland geflogen werden

Luftfracht

Noch vor Weihnachten sollen 300 Kilogramm hochradioaktives Material per Flugzeug vom ehemaligen DDR-Kernforschungszentrum Rossendorf bei Dresden nach Russland gebracht werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) habe den Transport von rund 200 Kilogramm hoch angereichertem und etwa 100 Kilogramm schwach angereichertem Uran genehmigt, sagte der Direktor des Vereins Kernverfahrenstechnik und Analytik, Udo Helwig, am Freitag in Rossendorf.

Der genaue Transporttermin soll aus Sicherheitsgründen erst kurz vorher veröffentlicht werden. Nach Angaben des BfS bestünde auch bei einem Absturz des Flugzeuges keine Gefahr für Mensch und Natur. Das radioaktive Material werde in 18 Spezialbehältern von Rossendorf zum Dresdner Flughafen gebracht. Diesen Transport übernehme die Deutsche Bahn-Tochter Nuclear Cargo and Services GmbH (NCS) aus dem hessischen Hanau. Vom Dresdner Flughafen solle das Uran dann mit einer russischen Transportmaschine in die Atomanlage Podolsk nahe Moskau gebracht werden.

Die sächsische Staatsregierung will das Material nach Russland bringen lassen, weil bei einer weiteren Lagerung in Rossendorf die dortige Sicherheitstechnik aufwändig erneuert werden müsste. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sagte, mit der Rückführung des Materials entfielen teure Objektschutzmaßnahmen. Damit spare der Freistaat mehr als eine Million Euro pro Jahr ein. Nach Angaben Helwigs lagern in Rossendorf derzeit noch 4,5 Tonnen Natururan und geringe Mengen schwach angereichertes Uran. Zudem seien dort noch 9,7 Gramm Plutonium vorhanden.

Der rund eine Million Euro teure Transport nach Russland ist höchst umstritten. Die Grünen und die Umweltorganisation Greenpeace warnen vor den Risiken eines Lufttransports.

Der 1957 in Betrieb genommene Forschungsreaktor in Rossendorf wurde 1991 abgeschaltet. Für dessen Rückbau ist der Verein Kernverfahrenstechnik und Analytik zuständig. Er wird vom Freistaat Sachsen mit derzeit jährlich 15 Millionen Euro unterstützt. Zu Forschungszwecken war von 1957 bis 1991 Brennstoff bestrahlt worden, den Rossendorf aus der damaligen Sowjetunion bezog. Mitte 2005 wurden nach einem monatelangen juristischen Streit zwischen Sachsen und Nordrhein-Westfalen 18 Castoren mit insgesamt 951 Brennstäben in das Zwischenlager Ahaus gebracht.