Strafanzeigen gegen Daimler-Chef Zetsche

Verdacht

Der Sprecher der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC), Jürgen Grässlin, hat eigenen Angaben zufolge am Montag über seinen Tübinger Rechtsanwalt Holger Rothbauer bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafanzeige gegen den Vorstandsvorsitzenden der DaimlerChrysler AG, Dieter Zetsche, sowie vier weitere Mercedes-Mitarbeiter und -Händler erstattet. Die Strafanzeigen seien wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage beziehungsweise des Meineides, des Betruges und der Untreue gestellt worden. Hintergrund seien die Grässlin durch seine umfangreichen Recherchen vorliegenden neuen Unterlagen, die seiner Ansicht nach "eindeutig belegen, dass führende Mercedes-Mitarbeiter und -Händler aktiv in Graumarktgeschäfte verwickelt gewesen sind" - dies jedoch vor Gericht nicht offengelegt hätten. Diesen Verdacht äußerte Grässlin auch gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden Zetsche als damaligem Daimler-Vertriebsvorstand.

Grässlin bezieht sich bei seinen Strafanzeigen eigenen Angaben zufolge auf Aussagen von Zetsche und die von ehemaligen oder aktiven Vertriebsleitern, Gebietsleitern oder Verkaufsleitern. Diese hätten als Zeugen im Strafverfahren gegen einen Neudenauer Spediteur wegen des Betrugsverdachts zu Lasten der DaimlerChrysler AG durch Graumarktgeschäfte vor dem Landgericht Stuttgart ausgesagt. Aufgrund des Verfahrens und des Urteils des Landgerichts, das der Bundesgerichtshof Leipzig hinsichtlich der Betrugsverurteilung später aufgehoben habe, sei der Spediteur für zwei Jahre und sieben Monate und Teich für zwei Jahre inhaftiert worden.

Grässlin beruft sich nun auf "neue Dokumente und Beweismittel", die den starken Verdacht nahe lägen, dass die Aussagen der fünf Daimler-Zeugen vor Gericht - zum Teil unter Eid - "unrichtig waren". Die Staatsanwaltschaft müsse nun "endlich gegen Dr. Zetsche und die anderen ermitteln", fordert Grässlin, "denn die nunmehr vorliegenden Unterlagen und Zeugenaussagen lassen aus meiner Sicht nur den Schluss zu, dass die seitens der Europäischen Union gegenüber DaimlerChrysler untersagten Graumarktgeschäfte bis ins Daimler-Topmanagement gewollt waren und aktiv betrieben wurden."