PISA-Studien sollen zu Verarmung des Lehrstoffs führen

Bereitschaft mehr Geld auszugeben

Die PISA-Studie hat nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbands dazu geführt, dass deutsche Schüler heute weniger beigebracht bekommen als früher. "Die ganze Schulpolitik und Schulpraxis ist heute ja auf die Frage ausgerichtet: Wie schneiden wir bei PISA besser ab?", sagte der Präsident des Lehrerverbands, Josef Kraus, der "Berliner Zeitung" anlässlich des fünften Jahrestages der ersten PISA-Studie. Das führe zu einer Verarmung des Lehrstoffs. Nötig sei daher eine Debatte über die Lehrinhalte.

"Da müssen wir unbedingt vorankommen, gerade auch in Bereichen, die in jüngster Zeit unterbelichtet waren", betonte Kraus. Er forderte zugleich eine verbesserte individuelle Förderung der schwächeren und der Spitzen-Schüler.

Doch auch Kraus hat den Blick schon auf die nächste PISA-Studie gerichtet: "Ich halte die deutschen Schulen schon jetzt für viel besser, als es immer wieder heißt." Bei PISA 2009 werde man wahrscheinlich weiter einen Schritt nach vorne machen. Positiv an der Studie sei, "dass allen klar wurde, dass Leistungsanforderungen nötig sind".

Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, warnte davor, die "Schulen jetzt kaputt zu testen". Mittlerweile werde mehr Geld für die Systembeobachtung als für die Verbesserung von Qualität und Chancengleichheit in den Bildungseinrichtungen vor Ort ausgegeben.

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave, sieht die PISA-Studien positiv. Durch die schonungslose Aufdeckung der Missstände sei das deutsche Bildungssystem "gewaltig in Bewegung gekommen". Schulen arbeiteten heute eigenständiger und hätten die dringendsten Probleme angepackt. Als Beispiel nannte Erdsiek-Rave, die auch Bildungsministerin in Schleswig-Holstein ist, die Förderung von "Spitzenschülern" und Schülern mit Migrationshintergrund.

Auch Berlins neuer Senator für Bildung und Wissenschaft, Jürgen Zöllner (SPD), sieht nach dem so genannten PISA-Schock Chancen für das deutsche Schulsystem. PISA sei für ihn das Symbol für den Systemwechsel im deutschen Bildungssystem, sagte Zöllner im ZDF-"Morgenmagazin". Er sei fest davon überzeugt, dass Deutschlands Schulen besser geworden seien. PISA stehe für einen Systemwechsel, der darauf ziele, möglichst jeden Schüler maximal individuell zu fördern.

Zöllner sagte, es gebe heute eine größere Bereitschaft, für den Unterricht mehr Geld auszugeben. Auch die Lehrerausbildung sei "in Gang gekommen". Dies seien "Zeichen und Beweise für eine positive Entwicklung". Allerdings könne im Bildungssystem nicht innerhalb weniger Jahre ein völlig anderes Ergebnis erzielt werden.

Zuletzt hatte eine Nachfolgestudie des OECD-Bildungsberichts PISA Mitte November zum Ergebnis, dass Schüler der Mittelstufe größere Schwierigkeiten in Mathematik und Naturwissenschaften haben.