Kritik an der Modernisierung der britischen Atomwaffensysteme

"Verstoß gegen die Genfer Konventionen"

Die britische Ärzteorganisation Medact kritisiert Pläne von Premierminister Tony Blair, die britischen Trident-Atomwaffen "zu modernisieren". Auch so genannte Mini-Nukes mit nur einer Kilotonne Sprengkraft würden im Fall einer Anwendung Tausende von Menschen töten, so die britische Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). In ihrem Bericht mit dem Titel "Britain's New Nuclear Weapons" wollen die Autoren "den Mythos widerlegen", dass solche "modernen" Atomwaffen zwischen Militär und Zivilisten unterscheiden und "chirurgisch" eingesetzt werden könnten.

Seit dem Ende des Kalten Krieges stellen sich nach Darstellung von Medact viele Briten die Frage, warum ihr Land überhaupt noch Atomwaffen unterhalte. Die offizielle Begründung der Regierung laute, dass ihre Atomraketen nicht nur für "massive Vergeltungsschläge" zur Verfügung stünden, sondern auch für "hochpräzise Einsätze" eingesetzt werden könnten. Bereits jetzt tragen britische Trident-Interkontinentalraketen offenbar erste "Gefechtsköpfe" mit reduzierter Sprengkraft an Bord.

Auch Atomwaffen mit reduzierter Sprengkraft töten nach Einschätzung von Medact "unterschiedslos" Soldaten und Zivilisten und "verstoßen daher gegen die Genfer Konventionen".

Die Organisation verweist auf den früheren Chef der UN-Waffenkontrolleure, Hans Blix, der die Auffassung verteten habe, dass die Modernisierung der Trident-Atomwaffen Großbritannien "jede moralische Integrität" raube, die nötig sei, um andere Nationen davon abzuhalten zur Atommacht aufzusteigen.

Die Abrüstungsexpertin der deutschen IPPNW, Xanthe Hall, kritisiert sowohl die britische Atomwaffenpolitik als auch die hiesige: Auch die deutsche Politik zeige keine Bereitschaft ihre Strategie der "nuklearen Teilhabe" an US-Atomwaffen zu beenden. "Damit provozieren beide Regierungen einen Rüstungswettlauf, der noch unberechenbarer sein wird als im Kalten Krieg", fürchtet Hall.