Berliner Linkspartei wirf Biermann Kriegstreiberei vor

"Systemkonformer Zeitgeist"

Die Berliner Linkspartei hat dem DDR-Regimekritiker Wolf Biermann Kriegstreiberei vorgeworfen. Ginge es bei Biermanns Ernennung zum Berliner Ehrenbürger nur um seinen Widerstand gegen das DDR-Regime, hätte er die Unterstützung der Linkspartei, sagte Landes-Parteichef Klaus Lederer der "Netzeitung". "Ihn aber für seine Wendung vom Pazifisten zum Bellizisten, vom widerständigen, linken Demokraten zum systemkonformen Zeitgeist zu ehren, damit haben wir ein Problem."

Einerseits stehe seine Partei "aufgrund unseres Erbes" gegenüber Biermann in der Pflicht, sagte der Landeschef. Dem entgegen stünden Biermanns "unsäglichen Anwürfe gegenüber Gegnern des Irakkrieges" der USA. Die Linksfraktion werde sich in der anstehenden Abstimmung enthalten, um dem Verfahren nicht im Wege zu stehen, aber "auch, um die anhaltende Beschädigung der Ehrenbürgerwürde durch parteipolitische Spielchen der Opposition nicht noch zu vergrößern."

Lederer warnte vor den Auswirkungen der Diskussion um Biermann, in deren Verlauf sich die Regierungsfraktion der SPD erst gegen, später jedoch für Biermann als Ehrenbürger ausgesprochen hatte. "Ich fürchte, dass das ganze Theater zur weiteren Partei- Politikverdrossenheit beiträgt", so Lederer. Die Idee war aus der oppositionellen CDU gekommen.