Schwere Vorwürfe gegen Tabakindustrie und Gastronomiebranche

Schwangere Beschäftigte

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen erhoben schwere Vorwürfe gegen die Tabakindustrie und die Gastronomiebranche. Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Krebsforschungszentrum, Martina Pötschke-Langer, kritisierte, dass der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) "die Interessen der Tabakindustrie und nicht die der eigenen Mitglieder" vertrete. Der DEHOGA zeige eine "völlige Ignoranz gegenüber der Gesundheit der eigenen Beschäftigten". Besonders die hohen Schadstoffbelastungen durch Tabakrauch für die durchschnittlich rund 7000 schwangeren Beschäftigten in der Branche seien "unverantwortbar".

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), forderte die Ministerpräsidenten auf, bei den bis März anberaumten Gesprächen "einen Kompromiss zu erarbeiten, der einen umfassenden Nichtraucherschutz in Gaststätten garantiert". Die bisherigen freiwilligen Regelungen seien wirkungslos geblieben.

Bätzing forderte, dass in allen Bundesländern sowohl in Restaurants, Bars, Kneipen und Diskotheken ein Rauchverbot gesetzlich vorgeschrieben und auch kontrolliert werden müsse. "Mit den bisherigen, freiwilligen Vereinbarungen mit der Gastronomie kann das nicht erreicht werden", so die SPD-Politikerin.

Zugleich wies sie Befürchtungen zurück, wonach im Falle eines Rauchverbots in der Gastronomie der Verlust von Arbeitsplätzen drohe. Die Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie Irland und Italien zeigten, dass nach Einführung eines Rauchverbots wieder mehr Menschen in Kneipen und Restaurants gingen und die Umsätze dort gestiegen seien.

Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) kritisierte, dass der Verband der Zigarettenindustrie (VdC) sich "unter dem Deckmantel sporadischer Engagements für den Gesundheitsschutz erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungen zu sichern" versuche. Er warnte daher die Landesregierungen, bei den anstehenden Gesprächen nicht "auf die halbgaren Argumente der Tabaklobby hereinzufallen", die ständig vom drohenden Verlust an Arbeitsplätzen sprächen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen warfen der Tabakindustrie und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) vor, die Gefahren durch das Passivrauchen zu bagatellisieren und einen Kompromiss zum Nichtraucherschutz zu unterlaufen.

Die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Dagmar Schipanski, kritisierte, dass Deutschland "auf dem Gebiet der Tabakkontrolle tatsächlich immer noch ein Schlusslicht in Europa" sei. "Jedes Jahr sterben 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, 3300 Todesfälle sind auf das Passivrauchen zurück zu führen", sagte Schipanski. Zudem seien rund eine Million Menschen sind in der Gastronomie beschäftigt und bislang dem Passivrauchen ausgesetzt. "Das ist aus unserer Sicht ein völlig untragbarer Zustand."

Sollte eine Einigung der Ländern scheitern, sei "doch die Bundesregierung gefordert: Sie hat die Verpflichtung, alle Bürger vor Gesundheitsgefahren zu schützen. Über eine Änderung der Arbeitsstättenverordnung wäre die Gastronomie insgesamt sofort rauchfrei", sagte die Krebshilfe-Präsidentin.