Atomkraftwerk Biblis bleibt noch mindestens bis ins zweite Quartal abgeschaltet

RWE

Das seit Oktober abgeschaltete Atomkraftwerk Biblis wird nach Einschätzung des Betreiber-Unternehmens RWE frühestens im zweiten Quartal 2007 wieder ans Netz gehen können. Die Sanierungsarbeiten in den beiden Blöcken würden noch weitere Monate in Anspruch nehmen, kündigte RWE-Kraftwerksvorstand Jan Zilius am Donnerstag an. "In diesem Quartal kriegen wir das nicht mehr hin." Wann das Kraftwerk genau wieder ans Netz gehe, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte der Konzernvorstand. RWE hatte bei einer Revision von Biblis A entdeckt, dass Dübel zur Befestigung von sicherheitstechnisch wichtigen Anlagenkomponenten Montagemängel aufwiesen. Da von diesen Mängeln auch Biblis B betroffen war, musste RWE diesen Kraftwerksblock ebenfalls vom Netz nehmen. Betroffen sind offenbar die Hälfte der rund 15.000 im Atomkraftwerk Biblis eingebauten Dübel.

Nach Darstellung von Zilius liegt die Verzögerung vor allem an den sehr detaillierten Genehmigungsverfahren durch die Aufsichtsbehörden, die im Zuge der Sanierung notwendig seien. RWE nutze den derzeitigen Stillstand aber und habe Revisionen, die eigentlich für später im Jahr geplant gewesen seien, vorgezogen.

Grüne: RWE hat längere Dübel beantragt

Nach Informationen der grünen Landtagsfraktion hat RWE als Ersatz für die fehlerhaft eingebauten Dübel die Zulassung von rund sechs Zentimeter längeren Dübeln beantragt.

"Die eigentlich vorgesehene Generalsanierung von Biblis A und B wurde bisher noch nicht einmal in Angriff genommen", heißt es in einer Mitteilung vom 23. Januar 2007. Da die Genehmigung durch das Deutsche Institut für Bautechnik erst jetzt erfolgt sei, würden die beiden Atomreaktorblöcke noch viele Monate lang keinen Strom produzieren. "Dies alles macht deutlich, um welch gravierendes Problem es sich hierbei handelt."

Jetzt produzierten die Biblis A und B keinen Strom mehr. Für die Partei "steht nun fest: Auch ohne das risikoreiche Atomkraftwerk gehen in Hessen die Lichter nicht aus."

Das Atomkraftwerk Biblis produziert etwa 2500 Megawatt Strom, wenn beide Blöcke in Betrieb sind. Für reguläre und auch für irreguläre Anlagenstillstände wie derzeit müssen Kraftwerksreserven mit einer Kapazität von größenordnungsmäßig 2500 Megawatt zur Verfügung stehen. Den Ersatzstrom für Biblis liefern derzeit im Strommix neben Kohlekraftwerken und anderen Atomkraftwerken auch Windkraftanlagen. Diesen wirft die Atomindustrie gerne vor, sie könnten nicht dauerhaft Strom liefern und bräuchten daher Reservekapazitäten.

Gewinn-Einbußen

Der außerplanmäßige Stillstand von Biblis hat bei RWE bereits 2006 den operativen Gewinn belastet. Schon im November hatte der Essener Konzern darauf verwiesen, dass sich das Unternehmen kurzfristig am Markt habe mit Strom eindecken müssen - zu deutlich höheren Preisen. Dies werde einen "nicht zu vernachlässigenden Effekt" auf das Ergebnis haben.

Nach den Worten von Zilius hat die bisherige Witterung in diesem Winter diesen negativen Effekt ein wenig abgemildert, da die Strompreise wegen des milden Wetters auf einem niedrigen Niveau geblieben seien.