Umweltgruppen fordern von der EU Verzicht auf Biokraftstoffe

"Menschen ernähren, nicht Autos"

In einem offenen Brief an das Europäische Parlament, die EU-Kommission und an die Bevölkerung in Europa fordern fünf Umweltnetzwerke, die hunderte Gruppen aus Lateinamerika vertreten, die Europäer dazu auf, auf Biokraftstoffe zu Lasten einer Nahrungsmittelproduktion in den Ländern des Südens zu verzichten. "Wir wollen Nahrungsmittel-Souveränität, keine Bio-Treibstoffe", erklären die Organisationen. Es sei absolut unwahrscheinlich, dass Europa sich aus eigener Produktion mit Bioenergie versorgen könne. "Deswegen wird dies auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen passieren." Während die Europäer ihre Autokultur festigten, hätten die Menschen in den südlichen Ländern immer weniger Fläche zum Anbau von Nahrung.

Die Umweltorganisationen warnen nach Angaben der deutschen Organisation Rettet den Regenwald davor, dass Energiepflanzen natürliche Ökosysteme zerstören könnten. Sojabohnen sollen Prognosen zufolge einer der wichtigsten Rohstoffe für Biodiesel sein. Sojaplantagen seien aber ein Hauptgrund für die Zerstörung des Amazonas. Hierbei seien auch Indianergebiete betroffen. Das Volk der Enwene Nawe im brasilianischen Bundesstaat Matto Grosso habe beispielsweise erklärt: "Sojabohnen rotten uns aus." Durch die Plantagen soll ihr Lebensraum bereits halbiert worden sein.

Die Umweltschützer sehen auch Probleme beim Ethanol aus Zucker und Biodiesel aus Palmöl. Zuckerrohr-Plantagen und die Produktion von Ethanol sei in Brasilien ein Agrarmonopol, das von Sklavenarbeit lebe. Palmöl-Plantagen etwa in Kolumbien und Ecuador würden auf Kosten der Wälder und der dort lebenden Ureinwohner angelegt.

"Das Problem des Klimawandels, für das der Norden verantwortlich ist, kann nicht gelöst werden, indem bei uns neue Probleme geschaffen werden", meinen die fünf Umweltnetzwerke. "Deswegen appellieren wir an die Regierung und die Menschen in der EU, Lösungen zu finden, die unsere schon jetzt dramatische soziale und ökologische Situation nicht weiter verschlechtern."

Anlass des Offenen Briefes ist die anstehende Entscheidung der Europäische Kommission über den so genannten "Biomasse Aktionsplan", die für den 10. Januar 2007 erwartet wird.