Gläubigerausschuß von BenQ beriet

"Klärungsbedarf"

Noch machen sich die Mitarbeiter des insolventen Handy-Herstellers BenQ Mobile Hoffnungen. Für die ehemalige Siemens-Handysparte sind inzwischen zwei Interessentengruppen aufgetaucht, die den Betrieb weiterführen wollen. Am Dienstag kam in München der Gläubigerausschuß zusammen, um die Vorschläge beider Gruppierungen zu prüfen. Nach der Sitzung erklärte Insovenzverwalter Martin Prager, es gebe noch "Klärungsbedarf".

Seit einigen Tagen gibt es die Offerte einer deutsch-US-amerikanischen Gruppe (ngo-online berichtete). Deren Konzept, das bereits am Montag im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium Gegenstand einer Diskussion war, scheint alledings auf eine Schenkung hinauszulaufen. Diese "Investoren" behaupten, rund 800 der ursprünglich 3.000 Jobs bei BenQ-Mobile erhalten, und vier Millionen Handys im Hochpreissegment produzieren zu wollen. Dafür sollen die Beschäftigten – angeblich nur zu Beginn – kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Zudem soll die öffentliche Hand das Ganze mit Bürgschaften abdecken. Möglicherweise ist dieser Wunsch Ursache dafür, daß selbst mit dem Problem befaßte Politiker in Nordrhein-Westfalen und Bayern zögern, das Ansinnen als Übernahmekonzept zu bezeichnen.

Am Montag trat eine US-Firma ins Rampenlicht, die ebenfalls Interesse an BenQ-Mobile bekundete. Sentex Sensing heißt das Unternehmen, ist in Cleveland/Ohio beheimatet und angeblich bereit, bis zu 1.700 Arbeitsplätze an den betroffenen BenQ-Standorten zu retten. Allerdings monierte das Unternehmen zunächst die Haltung deutscher Landespolitiker.

Grund der Verstimmung sind offenbar Landesbürgschaften, bei deren Höhe NRW-Politiker anderer Ansicht sind, als Sentex Sensing. Dessen Präsident, Henrik Rubinstein, beklagte in der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung", obwohl er die Unterstützung von "Topbanken aus Frankfurt" habe, gebe es bislang keine Einigung mit der Düsseldorfer Landesregierung über Ausfallbürgschaften von insgesamt 125 Millionen Euro. Entsprechende Verhandlungen seien bereits im Dezember 2006 gescheitert. Rubinstein wolle die Gespräche mit der Landesregierung aber weiterführen um die frühere Siemens-Sparte zu erwerben. BenQ Mobile sei technologisch stark und seine Firma wünsche sich einen Zugang zum europäischen Markt.

BenQ-Mobile wurde bereits einmal verschenkt. Das kühl kalkulierende Siemens-Management hatte damals offenbar festgestellt, dass mit den Handy-Modellen des Unternehmens kaum noch Chancen auf dem Weltmarkt bestehen. Kurzer Hand gab der Vorstand des größten deutschen Technologiekonzerns das Mobiltelefon-Geschäft samt Patenten und Belegschaft an die taiwanesische Firma BenQ ab. Der war vermutlich an den Patenten, weniger aber an einer Handyproduktion in Deutschland gelegen. Mobiltelefone lassen sich heutzutage auf Taiwan oder in Vietnam billiger montieren.

Über das Ziel der neuen potenziellen "Investoren" rätseln derzeit Gewerkschafter, Belegschaft und öffentlichkeit. Wollen diese Mobiltelefone unter der Ägide des Flächentarifs der deutschen Metall- und Elektroindustrie zusammenbauen? Ohne die Patente, die nach Taiwan gegeben worden sind? Schwer vorstellbar. Noch unwahrscheinlicher scheint es, dass der "Investor" die Handys dann auf dem lokalen und europäischen Markt verkaufen kann, denn das hatte Siemens bereits mit wenig Erfolg versucht.

Rechenen kann sich das Ganze nur, wenn die Lohnkosten tatsächlich ganz, oder zum großen Teil, vom Steuerzahler übernommen werden. Oder die Beschäftigten stimmen Billiglöhnen zu, die außerhalb und deutlich unter Flächentarif liegen. Nach einer langfristigen Problemlösung für die BenQ-Beschäftigten sieht es bislang jedenfalls nicht aus.