Ehemalige NS-Ghetto-Arbeiter sollen Entschädigung bekommen

Anträge abgelehnt

Die Bundesregierung will Zehntausende Holocaust-Überlebende entschädigen. Vereinbart wurde dazu ein Fonds nach dem Vorbild der Zwangsarbeiter-Entschädigung, wie der "Spiegel" am Samstag vorab berichtete. Dabei geht es um Juden, die in den von den Nationalsozialisten errichteten Ghettos einer halbwegs geregelten Arbeit nachgingen. Diese Ghetto-Arbeiter wurden - im Unterschied zu den seit 2000 entschädigten NS-Zwangsarbeitern - in der Regel bezahlt, wenn auch häufig nur mit Hungerlöhnen oder Lebensmitteln.

Um den Überlebenden eine kleine Rente zu ermöglichen, hatte der Bundestag 2002 das "Gesetz zur Zahlbarmachung von Ghetto-Renten" verabschiedet. Die Auszahlungen scheiterten jedoch dem Bericht zufolge an der Bürokratie der Rentenversicherungsträger. Sie hätten 61.000 der insgesamt 70.000 Anträge abgelehnt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll nun das Bundesfinanzministerium angewiesen haben, die Überlebenden unbürokratisch zu entschädigen.

Wie viel Geld an die ehemaligen Ghetto-Arbeiter gezahlt werden soll, ist dem Bericht zufolge allerdings noch strittig, ebenso wie die Zahl der Empfangsberechtigten. Während das Finanzministerium eine Summe von etwa zehn Millionen Euro erwäge, fordere die auf jüdischer Seite zuständige Jewish Claims Conference in New York 80 bis 100 Millionen.