Angereichertes Uran stammt angeblich aus Kernkraftwerk Würgassen

Putzkolonne im Atomkraftwerk

Das offenbar bei einer Privatperson im niedersächsischen Lauenförde gefundene angereicherte Uran stammt möglicherweise aus dem nur wenige Kilometer entfernten stillgelegten Kernkraftwerk Würgassen. Wie das Bielefelder "Westfalen-Blatt" mitteilte, soll der 45-jährige Mann in der Vergangenheit vorübergehend Mitglied einer Putzkolonne gewesen sein, die in dem 1994 abgeschalteten Kernkraftwerk beschäftigt war.

Der im nordrhein-westfälischen Würgassen gelegene Atommeiler, der dem E.On-Konzern gehört, war 1994 wegen technischer Mängel stillgelegt worden und wird seitdem abgebaut. Nach Angaben der Zeitung sollen Feuerwehrmänner ein Jahr nach Stilllegung des Kernkraftwerkes bereits in einem benachbarten Wald nach Uran gesucht haben, das angeblich vom Betreiber vermisst wurde.

Am Mittwochabend war bekannt geworden, dass Mitarbeiter des niedersächsischen Umweltministeriums am vergangenen Donnerstag 110 Gramm des Kernbrennstoffes Uran im Garten eines Privatmannes aus Lauenförde gefunden hatten. Eine Messung in einem Labor in Hannover soll bestätigt haben, dass es sich bei dem Material tatsächlich um 14 Kügelchen Uran handele, wie sie in Kernreaktoren oder Wiederaufbereitungsanlagen verwendet werden.

Bundesregierung soll Hinweis bekommen haben

Die Bundesregierung hatte offenbar frühzeitig Hinweise auf den möglichen Uranfund in Niedersachsen. Ein Sprecher bestätigte am Donnerstag den Eingang eines Schreibens von einem Privatmann aus Lauenförde (Kreis Holzminden) im Kanzleramt. Der Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei "eingehend bearbeitet" und anschließend an das Bundesumweltministerium weitergeleitet worden. Das Ministerium habe das Schreiben dann "umgehend" an die zuständigen Landesbehörden übergeben. Nach Angaben des Sprechers gehen monatlich zwischen 4000 und 5000 derartiger Schreiben im Kanzleramt ein.

Eine Probe des radioaktiven Materials soll nun von Experten in Karlsruhe untersucht werden. Das dort ansässige Europäische Institut für Transurane (ITU) teilte am Donnerstag mit, dass eines der 14 in Lauenförde (Kreis Holzminden) sichergestellten Uran-Pellets zur Untersuchung aus Hannover erwartet werde.