Schweden soll Vattenfall-Pläne für Braunkohle-Tagebau in Brandenburg verhindern

Vattenfall beschleunigt Klimakollaps

Deutsche und schwedische Umweltschutzorganisationen haben am Freitag dem schwedischen Wirtschaftsministerium eine Resolution übergeben. Darin wenden sie sich gegen das Vorhaben des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall, ein Naturschutzgebiet "von europäischer Bedeutung" in Brandenburg für einen Braunkohletagebau zu opfern. Auch in Schweden ist das Geschäftsgebaren des Stromkonzerns umstritten. So erklärte bereits im April 2005 die heutige Vize-Premierministerin Maud Olofssen: "Es ist nicht akzeptabel, dass der staatseigene Konzern Vattenfall überall durch Europa zieht und auf Braunkohle setzt."

Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) wurde die "Resolution für den Erhalt der Lacomaer Teichlandschaft" an die für Vattenfall zuständige parlamentarische Staatssekretärin Thand-Ringqvist übergeben. Auch Abgeordnete des Deutschen Bundestages wenden sich gegen das Vorhaben.

Die Umweltschützer protestierten gegen die geplante Zerstörung "des ökologisch einzigartigen Gebietes". Sie forderten Schwedens Regierung auf, Verantwortung für den Klima- und Naturschutz bei den Aktivitäten ihres staatseigenen Energiekonzerns Vattenfall übernehmen. Auf dem Transparent während der Mahnwache vor dem Ministerium war zu lesen: "Klimasünder Vattenfall! Braunkohle stoppen! Lacoma retten!"

Rund 3000 Menschen hatten die Resolution unterzeichnet. Dazu gehörten nach BUND-Angaben zahlreiche deutsche Prominente aus Wissenschaft und Kultur, sowie über 80 Abgeordnete aus allen Fraktionen des Deutschen Bundestages. Sie fordern gemeinsam mit den Umweltorganisationen MJV und BUND (Friends of the Earth Schweden und Deutschland), sowie GRÜNE LIGA, NABU, NATURFREUNDE und ROBIN WOOD den Erhalt des unter höchstem europäischen Schutz stehenden Naturparadieses.

"Vattenfall will das Klima weiter aufheizen, seine Profite steigern und dafür ein besonders schützenswertes Gebiet im Natura 2000 Netz opfern", kritisiert Oliver Wendenkampf vom BUND. "Die Folgekosten durch den Klimawandel und den Verlust der Natur zahlen am Ende wir alle. Am Beispiel Lacoma zeigt sich, wie ernst es der schwedischen Regierung und Vattenfall mit dem Klimaschutz und dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist."

MJV-Vorstandsmitglied Kajsa Lindqvist sagte, allein die von Vattenfall in Deutschland verursachten CO2-Emissionen seien genauso groß wie die CO2-Emissionen von ganz Schweden. "Durch den Verzicht auf die Zerstörung der Teichlandschaft könnte genauso viel CO2 eingespart werden, wie derzeit durch den gesamten schwedischen Wohn- und Dienstleistungsbereich freigesetzt wird." Hierbei gehe es um die Glaubwürdigkeit der schwedischen Regierung, so Lindqvist. In Schweden sei die Durchführung eines solchen Projektes mit dieser unsinnigen Naturzerstörung undenkbar, doch in Deutschland gehöre dies zum Alltag von Vattenfall.

Man könne sich nicht ungestraft in Konzernbroschüren als umweltbewusstes Unternehmen darstellen und dann ohne Rücksicht auf Verluste eine für den Naturschutz und die Erholung der Menschen wertvolle Landschaft vernichten, meint BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm. Vor allem weil sich auch ohne die Kohle unter dem Lacomaer Teichgebiet mit dem Kraftwerksstandort Jänschwalde lukrative Gewinne erzielen ließen, würde die geplante Zerstörung dieser jahrhundertealten Kulturlandschaft einzig dem Energiekonzern Vattenfall zu neuen Rekordgewinnen verhelfen.

Das Lacomaer Teichgebiet wurde 2004 an die EU-Kommission als Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung gemeldet und sollte in das Natura 2000 Schutzgebietssystem aufgenommen werden. Es ist nach Angaben der Umweltschützer die Heimat für über 170 bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie für Schwarzstorch, Fischotter und Eremit - einer prioritären Art nach EU Flora-Fauna-Habitat Richtlinie. In dem Gebiet würden zudem rund 5000 streng geschützte Rotbauchunken leben, "eines der größten Vorkommen dieser Art in Deutschland".

Nach Auffassung der Umweltschützer sind die geplanten "Ausgleichsmaßnahmen" für die Zerstörung des Teichgebietes "ungenügend". Sie kämen auch "viel zu spät". Zudem sei deren Erfolg äußerst zweifelhaft und könne erst in Jahren beurteilt werden – "lange nach der geplanten Zerstörung der ursprünglichen Lebensräume". Die Grüne Liga klagt seit Dezember 2006 gegen das Vorhaben Vattenfalls mit Unterstützung anderer Umweltverbände vor Gericht.