RWE scheiterte offenbar mit einem Antrag zum Atomkraftwerk Biblis A

Hilfsantrag noch offen

Der Energiekonzern RWE scheiterte offenbar teilweise mit seinem Antrag beim Bundesumweltministerium, die Laufzeit des über 30 Jahre alten hessischen Atomkraftwerksblocks Biblis A zu verlängern. In den nächsten zwei Wochen solle RWE das Ergebnis mitgeteilt werden, teilte das Ministerium am 2. März mit. Noch nicht entschieden sei über einen zweiten Antrag, Reststrommengen eines anderen Reaktors auf Biblis zu übertragen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Nach übereinstimmenden Presseberichten soll die Prüfung im Umweltministerium ergeben haben, dass keine Reststrommengen des im Rückbau befindlichen Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich auf Biblis A übertragen werden dürfen. RWE hatte im September einen Antrag dafür gestellt.

Hilfsweise war eine Übertragung von Restlaufzeiten des Kernkraftwerks Lingen auf Biblis A beantragt worden. Nach den Vorstellungen von RWE sollte Block A so bis in die zweite Jahreshälfte 2011 betrieben werden. Durch eine genehmigungsfreie Reststrommengen-Übertragung wollte RWE auch Block B so lange am Netz lassen.

RWE lag am Freitag nach eigener Aussage kein Bescheid aus dem Ministerium vor. Ein Sprecher der Konzerntochter RWE Power sagte, das Unternehmen sehe nach wie vor gute Erfolgsaussichten für seinen Antrag. RWE gehe davon aus, dass das Bundesumweltministerium den Antrag "sachgerecht und ideologiefrei" prüfe.

Die hessische Landesregierung, die sich für eine längere Laufzeit von Biblis und gegen einen Ausstieg aus der Atomenergie stark macht, warnte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) davor, sich bei der Entscheidung über die Laufzeitverlängerung von ideologischen Motiven leiten zu lassen. Gabriels hessischer Amtskollege Wilhelm Dietzel (CDU) verlangte, dass das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundeskanzleramt in die Biblis-Entscheidung einbezogen wird.

Biblis A ist der älteste deutsche Reaktor, der noch am Netz ist. Der Meiler ging 1974 in Betrieb. Auf der Grundlage des so genannten Atomkonsenses zwischen Bundesregierung und Atomindustrie muss das Atomkraftwerk spätestens 2008 vom Netz genommen werden, sofern es nicht zu längeren Anlagenstillständen oder vor allem Strommengen auf die Anlage übertragen werden. Umweltschutzorganisationen weisen seit Jahren auf eine hohe Störanfälligkeit des Meilers hin.

Atomkonzern EnBW lässt Strommengenübertragung für Neckarwestheim-1 prüfen Derzeit läuft noch ein weiteres Prüfverfahren eines Antrages auf Laufzeitverlängerung für das vom baden-württembergischen Energiekonzern EnBW betriebene AKW Neckarwestheim-1. Das Kernkraftwerk soll eigentlich spätestens 2009 vom Netz gehen. EnBW will Strommengen vom jüngeren Reaktor Neckarwestheim-2 auf den älteren übertragen und so dessen Laufzeit bis 2017 verlängern.

Mit "mindestens einem" weiteren Antrag der Stromwirtschaft auf Laufzeitverlängerung wird dem Zeitungsbericht zufolge in Kürze gerechnet.