Scheer fordert die Ablösung von Bahnchef Mehdorn

"Auf Kerngeschäft konzentrieren"

Der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer (SPD) forderte am Wochenende während einer Tagung des Bündnisses "Bahn für alle" die Ablösung von Bahnchef Hartmut Mehdorn. "Der Vorstandsvorsitzende der Schweizer Bahn würde den Job besser machen", sagte er auf dem Kongress "Die Bahn ist keine Ware". Mehdorn habe versagt, die Bahn erfülle nicht ihren gesetzlich definierten Auftrag. Statt sich als Global Player zu gebärden, müsse die Bahn sich wieder auf ihr Kerngeschäft, den Transport von Menschen und Gütern, konzentrieren. "Mehdorn hat die Bahn in einen miserablen Zustand versetzt, der zahlreiche Fahrgäste verprellt hat", meint Scheer. Der SPD-Politiker kritisierte auch scharf die Koalitionsspitze, die beabsichtige, die Bahnprivatisierung durchzupeitschen - gegen den Willen der Bevölkerung und der meisten Abgeordneten.

"Je mehr der geplante Ausverkauf der Bahn ein öffentliches Thema wird, desto weniger wird es möglich sein, dass Abgeordnete eine Privatisierung abnicken gegen ihre eigene Überzeugung", fürchtet Scheer.

"Wer sich für eine ökologisch und sozial orientierte Gesellschaft einsetzt, kann nicht für eine Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn eintreten", sagte der Vorstandssekretär der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Wolfgang Pieper, auf dem Kongress. Es gehe um die Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger und "eine bezahlbare Mobilität". Das sei "mehr als eine unternehmenspolitische Entscheidung", meint Pieper.

Wenn die Bundesregierung wirklich Klimaschutz betreiben wolle, müsse sie sich aktiv dafür einsetzen, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. "Das geht nur mit einer Bahn in öffentlicher Hand", meint der Gewerkschaftssekretär.

Der Railion-Betriebsrat Alfred Lange sagte, mit seiner privatisierungsfreundlichen Position stelle sich Transnet-Chef Norbert Hansen gegen die eigene Gewerkschaftsbasis. "Transnet, das sind mehr als 200.000 Eisenbahner. Ich habe mit der klaren Positionierung gegen die Privatisierung meine Betriebsratswahl gewonnen", so Lange. Die Stimmung sei gegen einen Börsengang. Dies werde auch Thema während des außerordentlichen Gewerkschaftstages am 11. Juli sein.